Ölboom in Karnes County (1)

Wie Pilze nach einem feuchtwarmen Regen so schießen hier in Karnes County zur Zeit die Ölbohrtürme aus dem Boden. Was hier angebohrt wird, ist die sog. „Eagle Ford Shale“ Formation. Wenn ich es richtig verstehe, ist das ein Ölschiefer, in etwa 4.000 Meter Tiefe. Bisher war das nicht lohnend, weil man eben sehr tief bohren muss und auch, weil man von einem Bohrloch aus nur einen sehr begrenzten Bereich erreichen kann, da das Öl im Gestein eingeschlossen ist. Mittlerweile hat man aber eine Technik zur Horizontalbohrung gefunden, sodass man von einer einzigen Bohrung aus einen weiteren Bereich als früher erschließen kann, und man hat eine Technik, „Fracking“ genannt, er-/gefunden, mit der man das Gestein gewissermaßen aufsprengen und das enthaltenene Öl und Gas fördern kann. Es wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Chemikalien und Sand in das Gestein gepresst und das sprengt es dann auf und Öl und Gas werden freigesetzt. Der zur Zeit relativ hohe Rohölpreis tut ein Übriges, um das Ganze wirtschaftlich lohnend zu machen. Karnes County ist, wie das Wall Street Journal unlängst berichtete, wohl im Augenblick das Epizentrum dieses Booms.

Und das Ganze betrifft auch uns. Auch wenn wir nicht, wie Andere hier in Karnes City/County, über Nacht zu Millionären werden, so haben wir dich ein wenig davon profitiert. Zum Einen haben wir für die Erlaubnis, auf unserem Grundstück seismische Untersuchungen durchführen zu dürfen, eine kleine finanzielle Entschädigung bekommen. Hier ein Bild [allerdings nicht auf unserem Grundstück, sondern auf dem von Cousine Melanie] von den Ungetümen, die das machen:

oil exploration

Ein vorsintflutliches Ungetüm?

Und zum Anderen hat Mary noch die Mineralrechte [zur Hälfte – die andere Hälfte gehört ihrer Cousine Jo Ann] an einem Grundstück, das sie einmal von ihrer Großmutter geerbt hat und das – jedenfalls die Oberfläche – sie längst verkauft hat. Das ist etwas, was mir ganz seltsam vorkommt: mann kann ein Grundstück verkaufen, aber die Schürfrechte [so wäre wohl der Fachausdruck] behalten. Genaueres/Mehr zum Texas Land Law werde ich mal bald recherchieren und dann hier posten. Im Prinzip aber bedeutet das, dass, wer auch immer die Oberfläche besitzt, sich nicht wehren kann, wenn der Eigentümer der Schürfrechte selber oder jemand, der diese geleast hat, dort bohrt! Und auf dem besagten Grundstück wird es noch dadurch kompliziert, dass zwei verschiedene Gesellschaften die Schürfrechte geleast haben. Die eine Gesellschaft darf bis in 4.500 Fuß Tiege schürfen/bohren, die andere unter 4.500 Fuß. Na ja, uns soll es egal sein, denn für uns fing das neue Jahr gut an: mit einem Scheck! Und wenn einmal wirklich – und das ist relativ wahrscheinlich – auch gefördert wird, so bekommen wir natürlich einen Anteil. Nichts zum reich werden, aber ein kleines zusätzliches Einkommen ist ja auch nicht zu verachten, frei nach dem Motto, „Auch Kleinvögel machen Mist.“

Zu diesem Thema gab’s vor Kurzem auch einen Artikel in der Welt, der auch das Verfahren des „Fracking“ näher erklärt.

2 Gedanken zu „Ölboom in Karnes County (1)

  1. Hallo Brian,
    was die – mögliche – Verschmutzung des Grundwassers angeht: da hast Du leider Recht. Das kann beim „Fracking“ durchaus passieren, und leider kommen hier in Texas die Behörden ihrer Aufsichtspflicht nicht genügend nach. Da ist die Lobby der Industrie zu stark. Und leider ist der demokratische Kandidat für den Posten eines „Railroad Commissioner“ [ja, seltsamerweise ist das die Behörde – mit der Eisenbahn hat sie überhaupt Nichts (mehr) zu tun – die u.a. über die Ölbohrung und -förderung wacht] bei den letzten Wahlen nicht durchgekommen. Er hatte sich im Vorfeld für eine wesentlich stärkere Überwachung und Regulierung der Bohraktivitäten stark gemacht. So können wir nur hoffen, dass die Industrie selber wenigstens ein bisschen aufpasst. Aber da bin ich nicht sehr zuversichtlich.
    Zum Thema Verschmutzung des Grundwassers: da trägt übrigens auch die Viehindustrie ihr Scherflein dazu bei, und zwar im Norden von Texas, im sog. „Panhandle„. Da gibt es die sog. „Feedlots„, wo hunderte und aberhunderte von Rindern auf engstem Raum zusammen gehalten und vor der Schlachtung gemästet werden. Und was die da so absondern, kommt in solchen Menge auf kleinsten Raum zusammen, das es in vielen Fällen ins Grundwasser geht. Im Ogallalla Aquifer ist das schon nachzuweisen. Und es wird sich dort leider über Jahrhunderte halten, vor allem weil natürlich immer weiter „Nachschub“ kommt.
    Ein weiteres Umweltprobem beim „Fracking“ ist übrigens der enorm hohe Wasserbedarf. Die dazu nötigen Tiefbohrungen und gewaltigen Fördermengen können durchaus kleinere private Brunnen trocken legen.
    Ich muss zugeben, dass wir uns darüber nicht viel Gedanken gemacht haben. Ich möchte zwar nur ungern mit dem Argument kommen, dass alle Anderen das auch tun, aber dieses Argument hat hier insofern eine gewisse Berechtigung, als unser verleastes Grundstück [knapp 100 acres entsprechend ca. 400.000 Quadratmetern] so klein ist, dass, selbst wenn von da gar nicht gebohrt werden sollte, alle umgebenden Bohrungen doch dieses Grundstück beeinflussen.
    So, das wäre dann mal mein Kommentar hierzu.
    Liebe Grüße, und mach’s gut,
    Pit
    P.S. apropos Rinderhaltung: was ich hier gut finde, ist, dass die Tiere grundsätzlich über fast ihr ganzes Leben hinweg frei gehalten werden, ohne Zufütterung. Das ist auch der Grund für die z.T. riesigen Ranches vor Allem weiter westlich als hier. Man braucht eine unvorstellbare Landfläche, um auch nur ein paar Rinder da in dieser Form zu halten. Und die werden nur selten in den „Feedlots“ gemästet. Es sind im wesentlichen die Milchfarmen, die das Problem bringen: zuerst werden sie – denn das ist ja viel wirtschaftlicher z.B. für’s Melken – auf kleinem Raum gehälten, und dann, wenn sie nicht mehr genug Milch geben, werden sie eben in diesen „Feedlots“ vor der Schlachtung gemästet. Da lobe ich mir doch unseren Cousin Mark: er hat Rinder nur für’s Fleisch und sie sind ausschließlich auf der Weide. Und wenn da nicht genügend Futter ist – wie z.B. in der letzten Dürreperiode – dann wird eben verkauft, sogar wenn es einen Verlust bringt, aber zugefüttert wird auf keinen Fall. Ich kann Dir sagen: das Fleisch ist ein Geuss!

  2. hello mr Ewing 😉

    ich hatte noch vor weihnachten einen bericht über das Fracking in Texas gesehen. da scheinen sich ja auch wieder die geister zu scheiden. dabei geht es wohl vor allem um die verschmutzung von grundwasser durch die benötigen chemikalien.

    Grüße Brian

Lasst mal von Euch hören/lesen! Würde mich sehr freuen!

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