Texanischer Wein

Passend zum vergangenen Eintrag, hier noch ein paar Memerkungen zu Wein in Amerika im Allgemeinen und zu texanischem Wein im Besonderern:

Fangen wir einmal damit an, dass man hier kaum deutschen Wein – jedenfalls keinen, der meiner Meinung nach „trinkbar“ ist – bekommen kann. Was ich bisher gesehen habe, erschöpft sich fast ausschließlich in Massenprodukten wie Piesporter Michelsberg und Liebfraumilch. Ich frage mich immer, wie diese „liebe Frau“ so viel Milch haben kann.  😉  Aber im Ernst: es ist schon verwunderlich, dass von diesen Weinen richtige Massen auf dem Markt sind. Aber etwas wirklich Besonderes, wie z.B. einen trockenen Frankenwein, noch dazu im Bocksbeutel, oder so etwas wie einen roten Spätburgunder aus dem Rheingau oder einen Kaiserstühler – um nur eine kleine Auswahl meiner „Wunschliste“ zu nennen – habe ich hier noch nie gesehen, auch nicht in den „besseren“ Weinläden.

Apropos „bessere Weinläden“: neulich war ich ganz überrascht, dass ich in einem H.E.B. Supermarkt [zugegeben, diese texanische Supermarktkette hat durchaus ganz unterschiedlich sortierte Filialen je nachdem sozialen Umfeld, in dem sie angesiedelt sind] in Lincoln Heights, einer der „besseren“ Wohngegenden von San Antonio, einem Supermarkt mir einem wirklich umfangreichen Weinsortiment, einen französischen Wein für sage und schreibe $408 [in Worten: vierhundertundacht Dollar!] fand.

Da habe ich mich dann einmal, einerseits als Geschenke und andererseits auch fir mich für die Feiertage, nach texanischen Weinen umgesehen. Die gönne ich mir nur zu besonderen Gelegenheiten, denn sie sind vergleichsweise teuer. So um die $10 muss man da schon mindestens für eine Flasche anlegen – und das ist mir für den Alltag etwas viel, Da begnüge ich mich dann schon eher mit kalifornischen Weinen – zugegeben, eher mit Massenprodukten, aber durchaus trinkbar. Die kalifornischen Weine fallen übrigens immer etwas lieblicher, d.h. mit mehr Restsüße aus, als vergleichbare deutsche – und auch als vergleichbare texanische. Dass die texanischen Weine im Durchschnitt relativ teuer sind, mag auch daran liegen, dass es sich hier um relativ kleine Weingüter handelt. Da lassen sich eben nicht durch große Umsätze die Preise reduzieren. Aber qualitativ können sie wirklich mit dem Rest der USA und auch mit europäischen Weinen mithalten.

Ein Wein, der ir ganz besonders gefallen hat, kommt aus Sisterdale, einem ganz kleinen Nest von nur 25 Einwohnern in der Texas Hill Country. Das Sister Creek Weingut – gegründet 1988 – sitzt übrigens in einer alten Baumwollmühle. Der Wein, den ich mir gekauft hatte, hat übrigens keinen Namen – jedenfalls nicht auf dem Etikett:

etikett

Das Etikett

Auf der Weinliste des Hauses wird er geführt als „Cabernet Sauvignon – 3 Blend“ und beschrieben als „Red Bordeaux Meritage„. „Meritage“ ist – soweit ich es sehe – eine hierzulande übliche Bezeichnung für  „Cuvee„. Und wenn sie ihn als „Red Bordeaux“ beschreiben, so kann ich nur sagen, er ist einem guten Bordeaux absolut gleichwertig. Und rote Bordeauxs sind ja nun auch mal Cuvees .

Da es mir immer ein Rätsel ist, wie Weinkenner Weine mit Worten wie „hat einen Hauch von Nussaroma“ oder so beschreiben, füge ich hier einfach das Etikett auf der Rückseite der Flasche hinzu:

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Was der Weinkenner sagen würde

Eine anderer Wein war ein Merlot vom Fall Creek Weingut, ebenfalls Texas Hill Country. Auch der war ausgezeichnet, wenn auch – als reiner Merlot natürlich – von ganz anderem Charakter.

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4 Gedanken zu „Texanischer Wein

  1. Du scheinst ja ein Weinkenner zu sein. Ich trinke schon auch ganz gern Wein, aber eher selten und eher nur, wenn wir fortgehen.
    Aber einen richtigen „Brünnerstraßler“ kennst Du sicher nicht. 🙂
    http://austrian-wines.com/weinblog/brunnerstrasler/
    Eigentlich ist es ein „Grüner Veltliner“ und ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ob man den außerhalb von Österreich auch kennt.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCner_Veltliner
    Dieser Wein wächst z.b. vermehrt bei uns im Weinviertel – das ist ein Teil Niederösterreichs nördlich von Wien. Der Wein schmeckt eher säuerlich und pfeffrig und er wird gerne als „G`spritzter“ getrunken. Das ist Wein vermischt mit Mineral- oder Sodawasser.
    Und jetzt muss ich gleich ein bisschen Werbung für unser schönes Weinviertel machen, wo wir uns sehr oft an den Wochenenden aufhalten. Das Weinviertel ist auch bekannt für seine schönen „Kellergassen“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kellergasse
    Fotos dazu kannst Du Dir auch gerne auf meiner Seite in der Fotocommunity anschauen.

    Wir haben in den USA nur ganz selten Wein getrunken. Wir waren aber auch nicht oft in Restaurants essen. Wir waren da eher „antialkoholisch“ unterwegs. 🙂

    lg Gabi

    • Hallo Gabi,
      also, als richtigen Weinkenner würde ich mich nun wirklich nicht bezeichnen. Aber ich lerne – nicht nur bei Wein – immer gerne dazu. Und beim Wein ist Dazulernen ja auch recht angenehm! 😉
      Einen „Brünnerstraßler“ kenne ich wirklich nicht. Habe auch die Bezeichnung noch nie gehört. Ein „Grüner Veltliner“ ist mir dagegen nicht nur ein Begriff, sondern ich habe ihn auch schon – und gerne – getrunken. Apropos „gerne“: als ich ihn zum ersten Mal getrunken habe – bei einem Skiurlaub in Kitzbühel in den ganz frühen 80er Jahren – hat er mir gar nicht geschmeckt: zu herb! Damals war ich an wesentlich süßere Weine gewöhnt. Aber im Laufe der Zeit bin ich immer mehr zu den trockenen übergegangen, und seither trinke ich – wenn ich ihn denn bekommen kann – einen Grünen Veltliner gerne. Einen „G’spritzten“, bei uns als „Weinschorle“ bekannt, trinke ich weniger. Bei Wein ist mein Motto „entweder rein oder gar nicht“.
      Danke für die Links zum „Brunnensträßler“ und zu „Kellergassen“. Wieder etwas mehr, was wir [meine Frau und ich] bei unseren Aufenthalten in Europa sehen müss(t)en. Mal schau’n: es gibt da ja soooo viel. Aber vielleicht klappt’s ja doch mal. Meine Frau hat mir – sie war ja, wenn auch nur kurz – im vergangenen Jahr in Österreich [Maria Alm und Klosterneuburg/Wien] da etwas voraus und schwärmt mir auch immer wieder etwas vor.
      Hier in den USA trinke ich übrigens in Restaurants so gut wir gar keinen Wein; und auch nur selten Bier. Man lässt einem hier, auch in wirklich guten Restaurants [s. Bericht hier ] so gut wie gar keine Zeit, den Wein auszuwählen. Vor Allem: ich will nicht den Wein auswählen, noch bevor ich weiß, was ich essen werde. Und dafür hat man hier gar kein Verständnis. Und mit Bier habe ich so meine Probleme, weil es selten eine Getränkekarte überhaupt gibt, geschweige denn eine, auf der auch alles Bier steht. Und wenn man fragt, wird das Angebot so schnell heruntergerasselt, dass ich es nicht verstehen kann. Also bestelle ich dann das, was es immer gibt: entweder Cola bzw. Dr. Pepper oder iced tea. Wein trinke ich dann eben hier zuhause – ganz in Ruhe und mit Genuss.
      So, das war’s dann mal zu diesem Kommentar. Zu Deinen anderen schreibe ich später.
      Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
      Pit
      P.S.: Deine Fotos vom Weinviertel – zumindest einige – bei der Fotocommunity hatte ich schon gesehen, werde aber gerne bald wieder einmal vorbeischauen.

      • Bei uns ist es eher umgekehrt. Wir trinken eher, wenn wir in Gesellschaft sind Wein. Zu Hause nur selten.
        Für den Durst trinke ich, schon seit der Kindheit, am liebsten Leitungswasser. Und unser Leitungswasser ist auch wirklich gut. Mir ist es für den Durst einfach am liebsten und eigentlich auch beim essen, weil es „neutral“ schmeckt. Wein trinke ich fast lieber erst „danach“.
        Aber wenn man gerne zum essen Wein trinkt, ist es ja wirklich blöd, wenn man den schon vorher auswählen muss.In dieser Hinsicht steckt Amerika wohl – was die Weinkultur betrifft – ein bisschen in den „Kinderschuhen“. 🙂
        In Australien war es ja in den Restaurants, wo es keine Alkohollizenz gab, auch nicht anders, weil man sich den ja auch schon vorher besorgen musste. Wir haben meistens einen „Shiraz“ getrunken. Der war wirklich gut.

        lg Gabi

        • Hallo Gabi,
          meine Frau trinkt gegen den Durst hier auch Leitungswasser, aber mir schmeckt das nicht besonders. Ich trinke deswegen entweder Mineralwasser [mit CO2] oder Orangensaft. Und im Sommer, besonders nach dem Radeln, sehr gerne auch Apfelschorle [halb Apfelsaft, halb Mineralwasser]. Das löscht sehr gut den Durst und füllt die nötigen Elektrolyte wieder auf.
          Liebe Grüße ins schöne Österreich,
          Pit

Lasst mal von Euch hören/lesen! Würde mich sehr freuen!

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