Mein erstes „Knöllchen“ – eine Anekdote

Aus gegebenem Anlass – nicht weil es mich gerade jetzt direkt selbst betrifft, sondern weil ich in einem anderen Blog gelesen habe, dass es auch ganz anders ausgehen kann, als ich es erlebt habe, wenn man mit der Polizei zusammentrifft – hier meine Story von meinem ersten „Knöllchen„, wie der Köllner sagen würde:

Es war 2007, und ich war alleine in San Antonio unterwegs. Damals war ich noch etwas nervös alleine im Auto, und auch mehr auf das Auffinden meines Ziels [der Fahrradladen Bike World] konzentriert als auf die Verkehrs- und Warnzeichen am Straßenrand. Und so habe ich dann eine Schulzone glatt übersehen. Es war  nach 14:00 Uhr, und dann [Schluss des allgemeinen Unterrichts] ist hier immer damit zu rechnen, dass in Bereichen nahe von Schulen eine Geschwindigkeitsbeschränkung [meistens durch Warnblinklicht angekündigt] gilt. Und es kam, wie es kommen musste: ich hätte doch bald mein erstes Knöllchen gekriegt.

Ich war mit mehr als 30 Meilen [eher nahe an 35] in einer 20er Zone [Schulzone, wie gesagt] unterwegs. Und wie das hier so geht, stand auf einmal [als ich auf den Parkplatz von Bike World abbiegen wollte] ein Streifenwagen mit blinkenden Lichtern – und einmal kurz mit Sirene – hinter mir. Man wird hier übrigens nie überholt und dann nach rechts gewinkt zum Anhalten, sondern die Cops bleiben hinter einem und machen ihr Blinklicht [blau und rot] an, und nur wenn man nicht darauf reagiert – wie ich [der Polizist muss, wie ich später rekonstruiert habe, schon eine Weile mit blinkenden Lichtern hinter mir gewesen sein, aber ich, voll konzentriert auf mein Ziel, hatte es einfach nicht bemerkt]– auch die Sirene und man [der „Delinquent“] fährt an den Straßenrand und hält dort an.

Ich bin also auf den Parkplatz eingebogen und habe da angehalten und das Fenster runtergekurbelt, bin aber nicht ausgestiegen, sondern habe die Hände schön sichtbar auf’s Lenkrad gelegt [alles „genau nach Vorschrift„] und gewartet. Der Polizist kam dann auch und hat mir erklärt, worum es ging und hat nach meinen Papieren [wie bei uns auch, Führerschein und Wagenpapiere bzw. hier Versicherungsnachweis] gefragt. Ich habe ihm meinen nationalen und den internationalen Führerschein gegeben. Letzterer war, wie der Polizist dann feststellte, abgelaufen. Ich ahnte schon Böses, als er mit dem internationalen Führerschein in der Hand zurückkam und mich fragte, „What’s the translation of ‚gültig bis‘?“ Ich habe natürlich korrekt übersetzt, nämlich „valid till„, und er meinte, „That’s what my rudimentary German told me, too, but I wanted to be sure.“

Und er behauptete dann [was ich nach wie vor nicht glaube], damit sei ich mit einem ungültigen Führerschein unterwegs und von Rechts wegen müsse er mich einlochen [„put you in jail„] und den Wagen beschlagnahmen [„impound the car„]. Seine Argumentation sehe ich, wie gesagt, nach wie vor nicht ein, denn lt. ADAC brauche ich hier nur den nationalen Führerschein; der internationale wird lediglich „empfohlen“. Und mein nationaler Führerschein war ja eben gültig. Aber wie dem auch sei, hier hat ein Polizist immer Recht und man widerspricht am besten nicht. Am Ende aber, als Alles gelaufen war und ich mir sicher sein konnte [der Polizist hatte seine Miene und sein Verhalten, von zuerst eher „bärbeißig“ zu dann deutlich freundlicher und zugänglicher, geändert], habe ich ihn doch darauf angesprochen und eine etwas seltsame und gewundene Auskunft – auch unklar formuliert – erhalten, die aber im Tenor darauf hinauslief, dass ich eigentlich nur den nationalen bräuchte, aber wegen des abgelaufenen internationalen als „mit ungültigem Führerschein unterwegs“ gelte.

Komisch, aber was soll’s. Der Cop war dann sehr gnädig und freundlich: er hat die Geschwindigkeit so weit herabgesetzt [auf 29 Meilen], dass er mich mit einer schriftlichen Verwarnung laufen lassen konnte. Und als ich ihn dann fragte, was ich jetzt machen solle wegen des „ungültigen Führerscheins“, ob ich den Wagen jetzt stehen lassen müsse und Mary anrufen, damit sie mich abholt, meinte er, ich solle weiterfahren, aber aufpassen, dass ich nicht wieder wegen Irgendetwas angehalten würde, denn nicht alle Cops würden so wie er reagieren. Also bin ich dann „absolut ordentlich“ nach hier gefahren.

Aber ich kann ja froh sein, an diesen – im Grunde wirklich freundlichen und hilfsbereiten [er hat mir nämlich noch, wenn auch falsch, erklärt, wie ich hier in den USA an einen gültigen internationalen Führerschein kommen könnte] – Cop geraten zu sein, denn es kann einem auch ganz anders ergehen, wie oben schon angesprochen.

Ironie am Rande: ich war mir eigentlich absolut sicher [nur bei diesem Vorfall einfach zu nervös, um genauer nachzuforschen], dass ich einen gültigen internationalen Führerschein besäße. Und so habe ich, wieder zuhause hier in Karnes City, genau im Handschuhfach nachgesehen, und tatsächlich: da war er, der gültige internationale Führerschein. Ich hatte ihn lediglich – in meiner Aufregung – übersehen.

Und abschließend noch zu „Polizisten haben hier immer Recht“: da gibt es eine Szene im Film „Halbblut“ – einem Film, den ich sehr mag, mit Val Kilmer und Graham Greene – in der Graham Greene, der hier einen indianischen Sheriff verkörpert, Val Kilmer [im Film ein FBI-Agent und von Graham Greene nicht gerade geliebt] auf dem Highway wegen Geschwindigkeitsübertretung anhält und zur Kasse bittet. Und als Val Kilmer um ein Radarprotokoll bittet, erhält er die Antwort, „Ich brauche kein Radar, ich rieche das.“