Urlaubspläne

Die kommenden Wahlen und das politische Geschachere um den Zuschnitt der Wahlkreise hier in Texas machen es etwas schwierig für uns. Ursprünglich hatten wir geplant, gegen Ende Mai und Anfang Juni unterwegs zu sein. Dieses Jahr wollen wir übrigens nicht nach „good ol‘ Germany„, sondern einmal hier in der Staaten Urlaub machen, und zwar wollen wir auf einer Rundreise mit Auto und Rad eine Reihe von schönen Radwegen – im wesentlichen „rail trails“ [das sind aufgelassene Eisenbahntrassen, die man nun in Radwege umgewandelt hat] – erkunden, so für etwa drei bis vier Wochen. Und im Herbst wollen wir dann gerne noch einmal nach West Texas [Big Bend Country], wo wir schon auf unserer Hochzeitsreise waren.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: nach jeder Bevölkerungszählung [die findet hier alle 10 Jahre statt, und die letzte war 2010] müssen die Wahlkreise der Bevölkerungsentwicklung angepasst werden, und das führt hier in Texas immer zu Streitigkeiten über den Zuschnitt, da die jeweils regierenden Parteien die Wahlkreise so zuschneiden, dass ihre eigenen Kandidaten die größtmöglichen Chancen haben. „Gerrymandering“ nennt man das übrigens, in einem Wortspiel mit dem Namen des Mannes, der das „erfunden“ hat. Und die damit verbundene Benachteiligung der Oppositionspartei führt dann regelmäßig dazu, dass das Ganze vor Gericht endet – abgesehen davon, dass auch noch eine Prüfungskommission in Washington über die Rechtmäßigkeit der neuen Wahlkreise entscheiden muss. Und dieses unübersichtliche und langwierige Verfahren – Einzelheiten erspare ich mir hier – hat in diesem Jahr [drei Instanzen sind beteiligt] für eine deutliche Verzögerung gesorgt. Der urspünglich für die Vorwahlen [zu dem auch Kandidaten für örtliche Wahlämter zur debatte stehen] geplante Termin ist schon längst verstrichen, und jetzt ist dafür der 29. Mai im Gespräch. Und da Mary die Vorsitzende der Demokratischen Party hier für Karnes County ist, wäre es eigentlich nötig, dass sie während er gesamten Vorbereitungsphase hier anwesend ist, um für Auskünfte und Hilfestellung zur Verfügung stehen zu können. Mal sehen, wie sie sich entscheidet. Im Augenblick planen wir noch, unsere Tour vorzuverlegen und ab etwa Mitte April für drei Wochen zu verreisen: hoffentlich klappt’s.

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Wahlen

Heute sind die sog. „mid-term elections„, d.h. die Wahlen zwei Jahre nach der Präsidentenwahl, zur „Halbzeit“ der jeweiligen Präsidentschaft. Es werden u.a. die Hälfte der Senatoren und alle Abgeordneten neu gewählt. Aber das ist nicht Alles: hierzulande wird ja für alles und jedes Amt gewählt, und dann kommen auch noch Volksentscheide dazu. Die Demokratie hier ist sehr ausgeprägt – zu sehr meiner Meinung nach. Wie der Kölner so sagen würde, „Man kann och Alles övverdrieve!“ Das System hier führt zu sehr langen Wahlzetteln [„ballot„]; manche haben mehr als zwei Seiten. Und außerdem führt es dazu, dass viele Leute sich nicht bis zum Ende des Stimmzettels durcharbeiten. Je weiter unten irgendetwas auf dem Stimmzettel angeordnet ist, umso weniger Leute stimmen überhaupt darüber ab. Ob das so gut ist?

Hier mal ein Beispiel für einen Wahlzettel, und zwar aus einem Wahlbezirk von San Antonio. Dieser Apparat hat tatsächlich vier Seiten!

20101102SampleBallot

Und dann ist das ganze Wahlsystem ja auch noch zusätzlich dadurch kompliziert, dass es die Vorwahlen gibt. Und was für mich auch unverständlich ist, ist die Tatsache, dass man sich selber aktiv als Wähler registrieren muss und nicht automatisch sowohl wahlberechtigt ist als auch eine Wahlbenachrichtigung bekommt.

Demnächst werde ich noch mehr zu diesem Thema bloggen.

Eine verregnete „einsame Taube“

Gestern war hier „Lonesome Dove Fest„. Das ist ein (kleines) Volksfest hier, gesponsort vom örtlichen Rotary Club, mit einer Parade in der Stadt und „family fun“ mit „something for everyone“ [und das schließt einen „snake handler„, Tontaubenschießen und Countrymusik und Tanz, alles auf einem Festgelände außerhalb der Stadt, ein]. Und Alles für einen guten Zweck.

Hier ein Auszug aus der Beschreibung der o.a. Webseite:

In its eighteenth year, the Lonesome Dove Fest has grown from a gathering of dove hunters in a Coy City hay patch to an event recently described as the “South Texas Expo” by Texas Parks & Wildlife Department’s Education Coordinator Steve Hall.
The annual festival combines education, outdoors activities and entertainment for nearly ten thousand visitors and begins on Friday, September 17th with Youth Day.
Youth Day presents educational mini-seminars on a variety of different topics to over three hundred high school students from area schools.
The success of Lonesome Dove Fest has allowed the Rotary to award twelve scholarships to seniors from each of Karnes County’s four high schools, including two scholarships specifically dedicated to vocational students.

Leider war es, wie schon meine Überschrift sagt, verregnet. Na ja, „leider“ oder auch „gut so“. Für das Fest war es natürlich schade, denn es hat dem Zulauf sicherlich geschadet, weil es ja wohl wirklich keinen Spaß macht, im Regen auf einem Volksfest, bei dem sich Vieles draußen abspielt, herumzulaufen. Und auch die Zuschauerzahl bei der Parade im Ort hielt sich, vorsichtig ausgedrückt, doch ziemlich in Grenzen. Wie gesagt, schade. Aber andererseits: hier, wo es ja häufig (zu) trocken ist, und das manchmal monate- und sogar jahrelang, freut man sich im Grunde doch über jeden Tropfen. Nicht zuletzt ist die Frage, „How many inches have you got?“ eine Standardfrage nach jedem Regen. Und wenn immer behauptet wird, die Engländer würden viel über’s Wetter reden – die Süd-Texaner tun es bestimmt ebenso oft.

Das Fest selber habe ich zwar nicht besucht, wohl aber die Parade – und die war ganz typisch kleinstädtisch texanisch. Und hier ein paar Bilder. Leider, wie schon gesagt, war es regnerisch, und das hat die Qualität der Bilder beeinträchtigt. Hinzu kam, dass durch die hohe Luftfeuchtigkeit die Linse der Kamera sofort beschlagen war, als ich aus dem Auto ausstieg. Das kommt hier leider sehr häufig vor, weil alles im Auto durch die Klimaanlage sehr schön kühl bleibt. Ich musste sie abwischen, hatte aber kein Linsenreinigungspapier zur Hand, und so sind leichte Spuren doch zurückgeblieben. Aber einen Eindruck von dem, wie es hier so zugeht, vermitteln die Fotos hoffentlich doch. Damit es nicht zuviele werden, und weil die Qualität für großformatige Abbildungen doch nicht gut genug ist, habe ich mich für Collagen entschieden.

Hier dann die erste:

lonesome dove fest

Lonesome Dove Parade (1)

Ein paar Informationen:

Den Anfang machten ein paar Reiter und eine alte Postkutsche, und dann kamen – mit ohrenbetäubendem Lärm – die Wagen der örtlichen freiwilligen Feuerwehr. Nicht nur das sie die Sirenen aufheulen ließen, sie hatten auch Spaß daran, ihre Signalhörner hören zu lassen. Und die hätten jedem Schifftyphon Ehre gemacht. Die Kapelle der High School hier folgte [links unten im Bild]. Und auch die Politiker – bald sind ja hier Wahlen, und so ließen sich auch Landespolitiker sehen – dürfen nicht fehlen [im Bild rechts oben]. Und damit wir wissen, wo wir einmal hingehören: auch die beiden örtlichen Altersheime waren vertreten [unten Mitte und rechts].

lonesome dove

Lonesome Dove Parade (2)

Noch ein paar Informationen zum Bild:

Die „örtlichen Schönheiten“ dürfen auch nicht fehlen: also ist „Miss Karnes City“ natürlich dabei [großes mittleres Bild]. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass die hier schon an der High School so einen Wettbewerb haben. Und die Nachbarorte mit ihren Besonderheiten und örtlichen Festen sind auch vertreten:

  • Kenedy mit den „Bluebonnet Days“ [linkes großes Bild]
  • Luling mit „Watermelon Thump“ [kleines Bild rechts oben] – man beachte übrigens die Ölpumpe [auch „donkey“ genannt]: Luling – und das ist tatsächlich so, riecht nach Öl“
  • Stockdale [kleines Bild rechts unten] mit dem „Watermelon Jubilee Rodeo
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Lonesome Dove Parade (3)

Ein paar Informationen zum Bild:

Auch die nahegelegene Luftwaffenbasis [Lackland Air Force Base] ist mit ihrer Band vertreten [Bild links oben]. Und besonders interessant fand ich Haltung und vor allem den Sitz der Kopfbedeckung des Band Major [großes Bild Mitte]. Das Football Team der Highschool braucht schon einen richtigen 18-Wheeler [auch „semi“ – kurz für „semi-trailer truck“ genannt] – das sind ja die „ganz dicken Brummer“ hierzulande [kleines Bild rechts oben]. Und man beachte: zum Fahnenschwenken [kleines Bild rechts unten] braucht man schon die richtige Statur. Und mit dieser eigent man sich auch bestens zum „linebacker“ beim Football. Weil es da fast ausschließlich auf die Körpermasse ankommt, finden sich da – zumindest beim Highschool Football auch ganz schön fettleibige Typen, die man sonst wohl als absolut unsportlich ansehen würde. Und links dann noch eine örtliche Kindergruppe, auf ihren Steckenpferde: früh übt sich eben, was mal ein richtiger Cowboy werden will!

lonesoem dove

Lonesome Dove Parade (4)

Informationen zum Bild:

Was das Rodeo [die Kleinen im vorherigen Bild haben ja schon geübt] angeht: auch die Großen sind vertreten. Das San Antonio Rodeo [jedes Jahr im Februar] ist auch vertreten [kleines Bild links oben]. Und der Clown hat hier eine bessere, d.h. wesentlich ungefährlichere Aufgabe als beim Rodeo. Hier darf er Perlenketten verteilen, beim Rodeo muss er die wilden Bullen ablenken, wenn ein Reiter beim Bullenreiten abgeworfen worden ist. Dann ist es der Clown, der den Bullen auf sich lenken muss. Wäre nichts für mich! Apropos Perlenketten: schade, dass es nicht so wie beim Mardi Gras in New Orleans ist, das bekommen nämlich diejenigen weiblichen Wesen eine solche Kette [beads], die ihren Busen entblößen! 😉  Und weitere „Kleine“, die Boy Scouts auf ihren Rädern, sind auch mit von der Partie [kleines Bild, Mitte linke Spalte]. Mit einem Oldtimer [kleines Bild links unten] wirbt eine der Gesellschaften für sich, die im Augenblick hier in der Gegend wie wild nach Öl bohren. Aber auch die Landwirtschaft gibt es hier ja noch, und so wirbt dann auch die örtliche Filiale von John Deere für sich [unten Mitte]. Die örtliche Elektrizitätsgesellschaft [Karnes Electric Co-Operative] – die übrigens auch unseren Internetanschluss bereitstellt – ist dann ebenso dabei wie die Karnes City Historical Society.

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Lonesome Dove Parade (5)

Mehr zum Bild:

Die Longhorns [Bilder unten rechts und Mitte] der  Familie Kimble, unter ihnen der preisgekrönte „Wow„, dürfen nicht fehlen: was wäre Texas ohne seine Longhorns! Und den Abschluss machen die „South Texas Trail Riders„, eine Gruppe von Amateurreitern, die jedes Jahr hier durchzieht, auf dem Weg von Corpus Christi zum Rodeo in San Antonio.