Im Gefängnis

Nein, eingebuchtet haben sie mich Gott sei Dank nicht. Wir, Mary und ich, waren nur im Besucherzentrum des örtlichen Gefängnisses. Es ist eben ein Unterschied, der im Deutschen nicht so einfach wiederzugeben ist, zwischen „at the prison“ [d.h. irgendwo auf dem Gelände, z.B. als Besucher] oder „in prison“ [d.h. als Sträfling].

Aöso dann: Mary und ich haben am vergangenen Sonntagnachmittag im Besucherzentrum des Gefängnisses in Kenedy – ich nenne das auch mal „örtlich“, auch wenn es nicht das hiesige in Karnes City ist – und haben da geholfen. Dieses Besucherzentrum wurde aus Spendenmitteln erbaut und wird auch weiter aus Spendenmitteln erhalten, und es ist dazu da, dass Leute, die einsitzende Verwandte besuchen kommen – und diese Besucher reisen manchmal aus bis zu 300 Meilen Entfernung an – einen Platz haben, wo sie sich aufhalten können, bis sie aufgerufen werden für den Besuch, und dass sie nicht im Euto warten müssen. Es kann übrigens manchmal ganz schön lange dauern, diese Wartezeit. Am Sonntag gad es Leute, die über 4 Stunden gewartet haben. Das hängt davon ab, wie groß der Abdrang ist, denn es gibt nur wenige „Sprechzellen“. Und Alles geht nach dem Motto „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. In diesem Besucherzentrum können die Leute dann lesen, etwas trinken und/oder essen, und die Kinder können spielen. Und Leute aus den örtlichen Kirchengemeinden sind da, um sie willkommen zu heißen, mit ihnen zu reden -. wenn gewünscht – und Getränke und Snacks zu reichen. Insgesamt: einfach da sein.

Außer Getränken und Snacks bietet das Besucherzentrum – alles basierend auf Spenden – auch noch Kleidung [gebrauchte] für den Fall, dass Besucher nicht passend gekleidet sind für den Besuch. Ob oder ob nicht, das entscheidet der geweilige diensthabende Gefängnisangestellte. Und wenn sie nicht passend gekleidet sind, können sie sich aus dem Fundus etwas aussuchen, anziehen und hinterher behalten. Und die Kinder können sich eines der gespendeten Spielzeuge aussuchen und nhinterher ebenfalls behalten.

Das, „community service“ bzw. „charity„, wird hier in den USA groß geschrieben. Ich führe das übrigens auf die Geschichte zurück, zum Einen auf die Besiedlung des (wilden) Westens, wo man auf einander angewiesen war, und zum Anderen auf die religiösen Bindungen.

Und so waren Mary und ich dann am vergangenen Sonntagnachmittag, von 14:30 bis 17:00 Uhr, da im Besucherzentrum und haben geholfen. Viel hatten wir nicht zu tun, und es war auch etwas langweilig, aber das kann sich ja ändern. Wir werden jedenfalls weitermachen und alle 4 Wochen für jeweils 2 1/2 Stunden da erscheinen.

To read this posting in English, click here.

Advertisements

Gar nicht so einfach, …

… das richtige Ersatzteil für Mary’s Camaro zu finden. Nachdem wir gestern den Wagen und das neue [überarbeitete] Lenkgetriebe [mehr dazu s. unten] hier zum Automechaniker gebracht hatten, rief der heute morgen hier an und wollte wissen, wer uns denn das verkauft hätte. Es war nämlich eines für Servolenkung und unser alter Camaro hat nun einmal keine. Habe ich ihm gesagt, dass es der örtliche Autoteile-Laden [Napa Auto Parts] war und dass die Frage, ob mit oder ohne Servo nie zur Debatte gestanden hatte. Sie hatten lediglich wissen wollen, wie viele Umdrehungen das Lenkrad von Anschlag zu Anschlag hat. Und das waren 4 3/4. Und so haben wir dann eben das falsche Teil bestellt. Zurückgeben war ja kein Problem, das richtige finden dagegen schon. In Katalogen von Napa Auto Parts war es nicht zu finden – da gab’s nur welche mit Servo. Mit viel Rumtelefonieren haben sie dann eine Firma in Kansas City aufgetan, die ein solches Getriebe – überarbeitet – auf Lager hatte. Das wäre aber fast $350 gekommen und hätte außerdem etwa 7 Tage Lieferfrist gehabt. Aber Larry, unser Automechaniker, war sehr darauf bedacht, den Camaro schnellstens wieder von der Hebebühne zu bekommen, und so, wie er jetzt war, d.h. ohne Lenkgetriebe, wäre es sehr schwierig gewesen, den Wagen nach draußen vor die Werkstatt zu bugsieren. Also habe ich mich dann auf eine „wild goose chase„, wie man hier so sagt, begeben, und die näheren Autoteileläden abgeklappert. Aber keiner hatte das Ding oder konnte es besorgen. Ein Laden in Kenedy gab nit allerdings den Tip für eine Firma im Internet. Und da bin ich dann fündig geworden. Nach Ausdrucken des Bildes und zwei weiteren Werkstattbesuchen zum Vergleich mit dem ausgebauten Teil – um sicher zu stellen, dass es auch wirklich das richtige ist – sowie Rücksprache mit Larry habe ich dann online bestellt. Und zwar ein neues, kein überarbeitetes Austauschteil, weil das neue nur ganze $5 teurer war. Damit Larry aber möglichst schnell wieder an die Arbeit gehen kann, habe ich Übernachtlieferung für $45,40 geordert. Und so kommt das Ganze dann auch sehr nahe an den Preis von Napa Auto Parts, ist aber eben ein neues Teil und kommt innerhalb eines Tages. Mal sehen, ob’s morgen ankommt. Das hängt natürlich davon ab, ob der Lieferant es heute noch aus seinem Warenhaus an die Post, oder wen auch immer er beauftragt, bekommen hat.

Ich glaube, ich hatte noch gar nicht erzählt, dass der Camaro dringend ein neues Lenkgetriebe brauchte. Die Lenkung hatte ein Wahnsinnsspiel – das war richtig (lebens)gefährlich. Den Spurrillen folgte er besser als der Lenkung, und beim Bremsen zog er unberechenbar zur Seite, sobald eine Bremse auch nur geringfügig früher oder fester zupackte als die auf der anderen Seite. Und dann brach der Wagen (fast) aus: äußerst gefährlich ganz besonders bei Regen und damit schlüpfriger Fahrbahn. Ein neues Lenkgetriebe war also dringend geboten. Mal sehen, wie das jetzt wird. Ob Larry auch noch die Bremsen so einstellen kann, dass sie absolut gleichmäßig ziehen, wage ich angesichts des Alters der Bremsen und der Tatsache, dass er keinen Rollenprüfstand hat, allerdings zu bezweifeln.

To read this posting in English, click here.

Brötchen …

… sind das, was ich [und übrigens auch Mary, nachdem sie deutsche frische Brötchen kennen und schätzen gelernt hat] hier vermisse – jedenfalls „richtige“, wie in Deutschland. Das is mir gerade eingefallen, als ich das Frühstück – heute gibt es bacon and eggs [mehr dazu einmal später] – gebrutzelt habe. Und eingefallen ist mir das, weil ich keinen Toast, sondern eben ein Brötchen dazu esse. Dieses Brötchen stammt aus der Bäckerei eines unserer Supermärkte – nicht vor Ort, denn der führt so etwas nicht, sonderm im immerhin 25 Meilen entfernten Floresville. Die backen da irgendwie selber, und Brötchen wie auch Brot sind dann schon besser als das, was man so im Regal kaufen kann, aber so richtig frisch aus dem Ofen habe ich sie da noch nie gesehen. Sie waren immer schon in Cellophan verpackt. Es sind Weizenbrötchen, aber kein Vollkorn, auch wenn sie für hiesige Verhältnisse einen hohen [3%] Ballaststoffanteil haben. [Auch zu diesem Angaben – die ganz anders funktionieren als bei uns in Deutschland – später mehr]. Sie sind aber von der Konsistenz her immer noch ziemlich labberig, gar nicht richtig „bissfest“.  Bessere – nämlich aus Vollkornmehl und deutlich „griffiger“ im Biss sind Brötchen, die wir in einem anderen Supermarkt [näher bei übrigens, nur ca. 5 Meilen entfernt, zwischen hier und dem Nachbarort Kenedy] bekommen. Wann immer ich die da finde, bringe ich welche mit. Aber auch wenn sie deutlich besser sind als das, was man sonst hier bekommt: sie sind nur ein magerer Ersatz für das, was ich aus Deutschland auf diesem Gebiet gewohnt bin. Für frische Brötchen wäre hier meiner Meinung nach schon ein Markt. Oder auch nicht, denn wie sollte man sie, bei den Entfernungen hier, schon kostengünstig an die Haustür liefern. Das wäre wohl nur im Ort möglich. Und ob die Leute hier in der Frühe bei einem Bäcker vorbeikommen würden, um sie zu kaufen? Möchte ich bezweifeln. Viele gehen hier ja schon zum Frühstück aus essen. Es gibt hier [typisch amerikanisch], von Sam’s Tacos über Dairy Queen bis zum örtlichen Apotheker [ja, auch da trifft man sich zum Morgenkaffee!], eine ganze Reihe von (kleinen) Lokalen, die zum Frühstück geöffnet haben. Vielleicht aber wäre genau das richtig, nämlich diese mit frischen Brötchen zu beliefern. Wäre eigentlich eine ganz gute Geschäftsidee, denke ich, wenn da nur nicht das frühe Aufstehen wäre! Die „ganz richtigen“ bzw. guten, bissfesten Brötchen bekommen wir übrigens nur bei Whole Foods in San Antonio. Aber bei 55 Meilen Entfernung fährt man da ja nicht mal eben zum Brötchenholen hin!