Camaro Restaurierung

So allmählich nehmen unsere Pläne dafür Gestalt an. Und der Camaro [hier ein Bild vom „Jetzt-Zustand“] …

camaro

Camaro - Frontansicht

… hat eine Restaurierung ja nicht nur dringendst nötig, sondern, als Mary’s „alte Auto-Liebe“, auch mehr als verdient. Es war schließlich ihr erstes Auto – ein Geschenk übrigens von ihrem Vater. Der Wagen ist Baujahr 1968, und damit eine gesuchte Rarität. Wir werden immer wieder gefragt, ob wir ihn nicht verkaufen wollen. Aber das kommt – nicht zuletzt wegen des Erinnerungswertes – überhaupt nicht in Frage.

Mehr zu unseren bisherigen „Restaurierungsbemühungen“ hier

Aber jetzt mehr zu unseren augenblicklichen Bemühungen. Das kam so: am vergangenen Donnerstag ist Mary mit dem Camaro nach Floresville gefahren, weil die alljährliche „state inspection“ – das hiesige Equivalent zum TÜV – fällig war. Was ich von dieser Inspektion halte, habe ich auch unter „Mary’s alter Camaro“ geschrieben. Aber obwohl diese Inspektion mehr als lax ist – jedenfals nach deutschen Maßstäben – bekam der Camaro keinen „Persilschein“ mehr – wegen der Bremsen. Dass die kräftigst nach links zogen, war uns zwar immer wieder aufgefallen, aber unser hiesiger Automechaniker hatte immer behauptet, daran könne man nichts weiter machen und wir müssten uns damit abfinden. Uns war das zwar gar nicht recht, denn – auch wenn wir im Normalfall gut damit leben konnten – so hatten wir doch Angst, dass es einmal bei einer Notbremsung, und ganz besoders auf nasser Fahrbahn, zum Schleudern führen könnte.

Wie dem auch sei: der Camaro kam eben nicht mehr durch die Inspektion, und der zuständige Prüfer empfahl uns eine Werkstatt vor Ort. Und das erwies sich im Nachhinein dann als ein Glücksfall. Die Jungs da hatten wirklich Ahnung von dem, was sie taten [was ich jetzt übrigens von unserem Mechaniker hier nicht mehr glaube], und bei ihrer Prüfung stellte sich heraus, dass praktisch fast ausschließlich nur noch das linke Vorderrad abgebremst wurde. Weder rechts vorne noch an beiden Rädern hinten kam eine messbare Bremsleistung an. Vorne rechts musste der Bremszylinder ersetzt werden, und die Leitungen nach hinten waren so verstopft, dass noch nicht einmal die Luft zum Durchblasen durchkam. Aber Larry hier hatte uns ja versichert, man könne nichts machen! Also haben sie uns dann einen neuen Bremszylinder vorne rechts eingebaut und die Leitungen nach hinten – ich glaube sogar, alle Leitungen – ausgetauscht. Darüberhinaus waren auch noch ein neuer Hauptbremszylinder fällig, sowie vorne neue Bremsbeläge, weil die alten Risse hatten. Und die Trommeln waren verzogen und mussten plan geschliffen werden. Alles in Allem also fast eine neue Bremsanlage. Und für diese ziemlich aufwendige Reparatur war ich dann vom Preis angenehm überrascht: ungefähr $420. Ich habe zwar nicht viel Ahnung von Reparaturpreisen, aber ich halte es nicht für zu teuer – bei dem, was alles gemacht werden musste. Und erst recht nicht unter dem Aspekt, dass die Kiste jetzt wesentlich sicherer ist.

Zusätzlich hatte ich die Werkstatt noch gebeten, Zündung und Vergaser zu überprüfen, da – vor allem bei warmer Maschine – immer wieder Zündaussetzer vorkamen, Der Motor nahm dann einfach beim Beschleunigen nicht richtig Gas an, ruckelte manchmal ziemlich heftig – vor allem bei Halbgas nach Beschleunigen – und starb auch manchmal ganz ab. Letzteres übrigens gerade, als Mary auf dem Weg nach Floresville den sehr stark befahrenen Highway 181 überqueren wollte. Da stand sie dann auf einmal mit stehendem Motor quer auf der Fahrbahn, und das noch an einer ganz unübersichtlichen Stelle, hinter einer Kuppe. Keine schöne Erfahrung! Gott sei Dank sprang der Motor beim dritten Versuch wieder an und sie konnte doch noch diese Stelle verlassen, ohne dass etwas passiert war. Aber für uns bedeutet das, dass wir auch dieses Problem – laut Werkstatt ist es der Vergaser, den sie übrigens nicht mehr reparieren können – so schnell wie möglich beseitigen (lassen) wollen. Also muss ein neuer Vergaser her. Was, bei dem Alter des Wagens, nicht ganz einfach ist. Der normale Ersatzteilhandel hat so etwas natürlich längst nicht mehr auf Lager. Und wie ich bei meiner Recherche in der letzten Tagen herausgefunden habe, sind Vergaser für die V-8 Motoren ohne Weiteres zu bekommen [wahrscheinlich, weil diese „muscle cars“ viel mehr restauriert und gefahren werden], nicht aber für den kleinen Reihensechszylinder in unserem Camaro. Mary’s Vater hatte damals seiner Tochter – vorsichtshalber – keinen Wagen mit einer starken Maschine geschenkt. Unserer hat mit 250 cubic inches [entspricht 4,1 Liter] den zweitkleinsten damals erhältlichen Block. Wie uns die Leute in der Werkstatt gesagt haben – und wie ich es mittlerweile auch per Internetrecherche herausbekommen habe – hat unser Camaro für seine Sechszylindermaschine einen Einfachvergaser. Und den gibt es – jedenfalls soweit ich bisher herausbekommen habe – überhaupt nicht mehr. Allerdings soll – so jedenfalls die Beschreibung bei zwei online Shops für Camaro Ersatzteile – auch ein Zweifachvergaser passen. Aber die Werkstatt hier sagte, der würde nicht passen. Also muss ich wohl weiter suchen.

Schade übrigens, dass es nur so ein kleiner Reihensechszylinder ist, denn das sonore Auspuffbrabbeln eines V-8 wäre ja nicht zu verachten. Auch wenn wir die höhere Leistung gar nicht brauchen. Wie klein der Motor sich im Motorraum ausnimmt, wird hier deutlich:

camaro

250 cubic inches straight six

Am Rande bemerkt: ich erweitere bei all dem mal wieder meinen Wortschatz, jetzt natürlich bei autotechnischem Vokabular, von „straight six“ [= Reihensechszylinder] über „master cylinder“ [= Hauptbremszylinder] bis hin zu „single barrel carburetor“ [= Einfachvergaser].

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Gar nicht so einfach, …

… das richtige Ersatzteil für Mary’s Camaro zu finden. Nachdem wir gestern den Wagen und das neue [überarbeitete] Lenkgetriebe [mehr dazu s. unten] hier zum Automechaniker gebracht hatten, rief der heute morgen hier an und wollte wissen, wer uns denn das verkauft hätte. Es war nämlich eines für Servolenkung und unser alter Camaro hat nun einmal keine. Habe ich ihm gesagt, dass es der örtliche Autoteile-Laden [Napa Auto Parts] war und dass die Frage, ob mit oder ohne Servo nie zur Debatte gestanden hatte. Sie hatten lediglich wissen wollen, wie viele Umdrehungen das Lenkrad von Anschlag zu Anschlag hat. Und das waren 4 3/4. Und so haben wir dann eben das falsche Teil bestellt. Zurückgeben war ja kein Problem, das richtige finden dagegen schon. In Katalogen von Napa Auto Parts war es nicht zu finden – da gab’s nur welche mit Servo. Mit viel Rumtelefonieren haben sie dann eine Firma in Kansas City aufgetan, die ein solches Getriebe – überarbeitet – auf Lager hatte. Das wäre aber fast $350 gekommen und hätte außerdem etwa 7 Tage Lieferfrist gehabt. Aber Larry, unser Automechaniker, war sehr darauf bedacht, den Camaro schnellstens wieder von der Hebebühne zu bekommen, und so, wie er jetzt war, d.h. ohne Lenkgetriebe, wäre es sehr schwierig gewesen, den Wagen nach draußen vor die Werkstatt zu bugsieren. Also habe ich mich dann auf eine „wild goose chase„, wie man hier so sagt, begeben, und die näheren Autoteileläden abgeklappert. Aber keiner hatte das Ding oder konnte es besorgen. Ein Laden in Kenedy gab nit allerdings den Tip für eine Firma im Internet. Und da bin ich dann fündig geworden. Nach Ausdrucken des Bildes und zwei weiteren Werkstattbesuchen zum Vergleich mit dem ausgebauten Teil – um sicher zu stellen, dass es auch wirklich das richtige ist – sowie Rücksprache mit Larry habe ich dann online bestellt. Und zwar ein neues, kein überarbeitetes Austauschteil, weil das neue nur ganze $5 teurer war. Damit Larry aber möglichst schnell wieder an die Arbeit gehen kann, habe ich Übernachtlieferung für $45,40 geordert. Und so kommt das Ganze dann auch sehr nahe an den Preis von Napa Auto Parts, ist aber eben ein neues Teil und kommt innerhalb eines Tages. Mal sehen, ob’s morgen ankommt. Das hängt natürlich davon ab, ob der Lieferant es heute noch aus seinem Warenhaus an die Post, oder wen auch immer er beauftragt, bekommen hat.

Ich glaube, ich hatte noch gar nicht erzählt, dass der Camaro dringend ein neues Lenkgetriebe brauchte. Die Lenkung hatte ein Wahnsinnsspiel – das war richtig (lebens)gefährlich. Den Spurrillen folgte er besser als der Lenkung, und beim Bremsen zog er unberechenbar zur Seite, sobald eine Bremse auch nur geringfügig früher oder fester zupackte als die auf der anderen Seite. Und dann brach der Wagen (fast) aus: äußerst gefährlich ganz besonders bei Regen und damit schlüpfriger Fahrbahn. Ein neues Lenkgetriebe war also dringend geboten. Mal sehen, wie das jetzt wird. Ob Larry auch noch die Bremsen so einstellen kann, dass sie absolut gleichmäßig ziehen, wage ich angesichts des Alters der Bremsen und der Tatsache, dass er keinen Rollenprüfstand hat, allerdings zu bezweifeln.

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