Diese verflixten Steuern

Es ist doch immer dasselbe: der Staat weiß, wie er seine Bürger am besten schröpft. Und da ich nun einmal erstens deutscher Staatsbürger bin [dazu unten mehr] und meine Pension in Deutschland beziehe, und zweitens meinen Wohnsitz von Deutschland in die USA verlegt habe, werde ich nun zweimal geschröpft, denn ich werde sowohl in Deutschland als auch hier in den USA zur Einkommensteuer veranlagt.  😦  Eigentlich gibt es zwar das sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen, das genau dieses verhindern soll, aber ich meinem Fall ist es so, dass trotzdem so ca. $1500 mehr an Steuern pro Jahr an mir hängenbleiben. Nach deutschem Steuerrecht werden Einkommensteuern von deutschen Einkünften in Deutschland erhoben. Und nach amerikanischem Steuerrecht müssen Personen, die ihren Wohnsitz in den USA haben, auch von Einkünften, die sie außerhalb der USA haben, dennoch in den USA Einkommensteuer zahlen. Das Doppelbesteuerungsabkommen schließt dies nicht, wie man meinen sollte, aus, sondern es beinhaltet nur, dass mir meine in Deutschland gezahlte Einkommensteuer hier in den USA steuermindernd angerechnet wird. Aber, und nun kommt der Haken, sie wird mir nicht voll, sondern nur mit einem Faktor von etwa 0,8 angerechnet. Und so kommt es eben, dass ich dennoch einen gewissen Prozentsatz von meinem deutschen Einkommen hier in den USA versteuere. Mist! Und wie ich vor ein paar Tagen von meinem Steuerberater erfahren habe, kommt es in Zukunft noch schlimmer: weil ich meinen Wohnsitz im Jahr 2011 von Deutschland hierher in die USA verlegt habe, kann ich ab 2012 in Deutschland nichts mehr von der Steuer absetzen! Also: der deutsche Fiskus nimmt mir zwar gerne weiterhin meine Steuern ab, gewährt mir aber keine wie auch immer gearteten steuerlichen Vergünstigungen mehr.

Zu Staatsbürgerschaft und Wohnsitz: deutscher Staatsbürger muss ich bleiben, weil ich sonst meinen Pensionsanspruch [als ehemaliger Landesbeamter] verliere, und erstens kann ich mir das natürlich nicht leisten und zweitens wäre ich ja von allen guten Geistern verlassen, wenn ich nach einem Arbeitsleben für den Staat auf das verzichten würde, was mir zusteht. Ich muss aber andererseits auch meinen Wohnsitz in Deutschland aufgeben, denn selbst wenn ich da nur mit zweitem Wohnsitz gemeldet bin, müsste ich mich lt. Melderecht mehr als 183 Tage an eben diesem Wohnsitz aufhalten – und  das geht ja nun einmal auch nicht. Also sitze ich, was die Finanzen angeht, nicht zwischen zwei Stühlen, sondern zwischen zwei Staaten – und jeder dieser beiden Staaten schröpft mich nach allen Regeln der (Steuer)kunst.  😦

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14 Gedanken zu „Diese verflixten Steuern

  1. Herzliches Beileid, —- sagt jemand, der als Kleinrenter so wenig Steuern zahlt, dass ere meint, diesen Betrag hat der Staat auch verdient …… aber eins verstehe ich nicht: Woher weiß der amerikanische Staat den überhaupt, welche Einkünfte du in Deutschland hast?
    Einen schönen Tag wünscht: Martin

    • Hallo Martin,
      danke für’s Vorbeischauen und den Kommentar. Klar: so besonders viel Steuern zahle ich in Deutschland nicht, aber ich bekomme ja auch nicht gerade viel, nachdem ich (aus gesundheitlichen Gründen) vorzeitig aus dem Dienst musste und man dann zusätzlich noch die Pension jedes Jahr [10 Jahre lang] um einen Zehntel-Prozentpunkt kürzt, weil man der Meinung ist, ich würde zu gut versorgt. 😉
      Woher der amerikanischen Staat weiß, was ich in Deutschland an Einkünften habe? Ich muss hier mit meiner/unserer Steuererklärung eine Kopie menes Einkommensteuerbescheids aus Deutschland befügen. Ja, auch Uncle Sam weiß eben, wie er an mein Geld kommt! 😦
      Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
      Pit

        • Lieber Martin,
          dass der Rest noch reicht, liegt u.A. auch daran, dass ich zur Zeit einen Wechselkursvorteil habe. So hoffe ich dann immer, dass der Euro gegenüber dem Dollar stark ist – egal was Andere davon halten mögen. Ich kenn ja auch noch Zeiten, wo das anders war [in der Gegend von 0,8].
          Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
          Pit

  2. Lieber Pit,
    ich habe das gleiche Dilemma in England. Zwar bin ich kein Beamter gewesen (stimmt nicht, aber nur kurze Zeit), aber die VG Wort will stets wissen, ob ich brav mein Einkommen aus Urheberrechten versteure. Anyway, ich kann dir nur recht geben, der Staat nimmt sich, was er kann. Das ist wie zur Zeit der Raubritter, die einem auch nur ließen, was man unbedingt zum Leben brauchte.
    Aber was soll`s, ändern können wir das LEIDER nicht. Also verleben wir unsere verminderten Einnahmen nach der Devise „don`t worry, be happy!“
    Ganz liebe Grüße von Expat zu Expat
    Klausbernd

    • Lieber Klausbernd,
      nimmt Dir denn der englische Staat auch Steuern ab? Ich dachte, im europäischen Ausland sei das nicht der Fall und man müsste nur Steuern in Deutschland abführen – als deutscher Staatsbürger im Ausland.
      Die Analogie zu Raubrittern stimmt – leider. 😦 Auch heutzutage noch kommt man ins Verlies, wenn man seinen (Zwangs)obulus nicht entrichtet.
      Was das glückliche Verleben unserer verminderten Einnahmen angeht: da halten auch wir uns an Dein Motto. 🙂
      Und ebenfalls liebe expat(riotische) Grüße, 😉
      Pit

  3. Ohoh Dear Pit, I hear you! Our household: 1 Dutch women with Canadian permanent resident permit and an American LA2 Visa, One Canadian man with American LA1 visa, two Dutch boys living in Canada, both with Canadian permanent resident permits and one with an American LA2 visa. Crossing borders and filling out forms……..where ever we go, we have with us a binder full of various documents because it is always a surprise what we have to show;0) Our mantra: ‚keep on breathing gently, do not say more than asked and go with the flow;0)‘ Well, true love like Mary is worth it! Eine schone Tag gewunscht und Herzelichen Dank fur tips wenn schreiben in Deutch! Liebe Grusze, Johanna

    • Hi Johanna,
      You’re quite right: all that bureaucratic paperwork. When I was still flying back and forth between Germany and the US, I always carried a copy of the contract of purchase for our condominium with me, to prove that I owned property in Germany, and with that to show that I had an incebtive to go back and didn’t want to immigrate into the US.
      I’ve always maintained that the Americans learned their bureaucracy from the Prussians and the „improved“ that a whole da** lot. 😉
      Best regards from southern Texas,
      Pit

    • Wenn die Staaten – und da meine ich beide, Deutschland und die USA – mal ihre Ausgaben vernünftig handhaben würden, dann bräuchten sie uns auch längst nicht so viele Steuern abzuknöpfen. Aber es ist ja viel einfacher, dem Bürger in die Tasche zu greifen als sich vernünftige Gedanken über’s Sparen zu machen. Und in Deutschland geht es ja schon wieder mit der Erhöhung der Ausgaben los, denn im nächsten Jahr sind ja Wahlen, und da muss man sich die Stimmen der Bürger eben kaufen.
      Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
      Pit

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