Die Amerikaner können kein Brot

Eigentlich möchte ich mit meinem Blog ja helfen, Vorurteile abzubauen und nicht, sie zu perpetuieren, und ich wehre mich ja auch immer gegen Pauschalurteile, aber in diesem Fall kann ich das doch nur so formulieren. Nun, ganz so absolut ist denn nun doch nicht, denn auch dies, dass es hierzulande kein ordentliches Brot gibt, ändert sich so langsam.

In unseren Supermärkten hier bekommt man allerdings immer noch kaum ein schön „bissfestes“ Brot. Selbst wenn es sich um Vollkornbrot oder Mehrkornbrot handelt, so ist es doch immer noch relativ weich, und man kann, wie ich es immer ausdrücke, Akkordeon damit spielen: zusammendrücken, loslassen – und es geht wieder auf die ursprüngliche Form zurück. Am schlimmsten ist da der sogenannte „Texas Toast“ – für mich eine Art labberiger weißer Pappe, aber hier bei jedem Barbecue zu finden. Wenigstens sind auch bei den „Supermarktbroten“ die Ingredienzien schon gesünder als es noch vor ein paar Jahren war.

Gestern – und das hat mich dazu gebracht, zum Thema „Brot“ zu bloggen, was ich schon seit Langem vor hatte – waren wir mal wieder in San Antonio bei Whole Foods, und da habe ich dann „besseres“ Brot gekauft, und zwar zwei Roggenbrote. Das eine nannte sich „Prussian Rye“ und erinnert mich an ein „normales“ Roggengraubrot in Deutschland, und das andere nannte sich „Black Forest Rye“ und erinnerte eher an ein grobes Vollkornbrot [„Vollkornbrot“ in dem Sinne, dass auch ganze Körner drin sind]. Beide Brotsorten sind nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch sehr „bissfest“ – wirklich etwas für den „deutschen Gaumen“.

Hier dann ein paar Bilder davon:

Brot

Black Forest Rye

Brot

Sieht echt lecker aus, oder?

Brot

Prussian Rye

Wir hatten bei Whole Foods zwar auch Brötchen gekauft, aber da wir die sofort gegessen haben, habe ich keine Bilder davon. Die muss ich dann bei anderer Gelegenheit einmal machen und dann darüber bloggen.

Hier dann noch eine Brotsorte, die Mary gerne mag, weil sie sehr wenig Kalorien hat:

Brot

40-Kalorien-Brot

Dieses Brot hat übrigens deswegen so wenig kalorien, weil es extrem locker gebacken ist und jede Schnitte nur sehr wenig wiegt. Mir persönlich hat es zu wenig Substanz, auch wenn es ganz lecker ist.

Ich habe übrigens gleich die Gelegenheit genutzt, mir heute zum zweiten Frühstück – man könnte auch sagen, für eine kleine Mittagszwischenmahlzeit – zwei Butterbrote zu machen, eines mit geräuchertem Schinken und eines mit Roastbeef.

Und so sah das dann auf dem Teller aus:

Brot

Butterbrote: Roastbeef rechts und Schinken links

Lecker, oder?

Brot

Aufschnitt & Margarine

Zum Aufschnitt noch ein paar Anmerkungen:

Die Bezeichnung „shaved“ auf der Verpackung hat nichts mit Rasieren zu tun  😉 sondern bedeutet, dass die Scheiben (ziemlich) dünn geschnitten sind. Interessant übrigens der Hinweis „water added“. In Deutschland ging es ja gerade durch die Presse, dass in Supermarktketten der Fisch heimlich mit Wasser „angereichert“ wird, damit er schwerer wird und man so den Kunden besser schröpfen kann, weil ja nach Gewicht bezahlt wird. Auch bei Fleisch soll das ja üblich sein. Hierzulande wird diese Praxis wenigstens offen zugegeben. Recht mager soll der Schinken [ebenso wie das Roastbeef] auch sein: „97% fat free“ steht ja auf der Packung. Leider ist – wie bei fast allen Fleischprodukten hier – der Salzanteil extrem hoch. Ein „serving“ [das ist hier die Vergleichseinheit] von 56 Gramm hat beim Schinken schon ganze 420 mg! Das sind 18 % des Tagesbedarfs. Beim Roastbeef sind es 380 mg entsprechend 16% des Tagesbedarfs.

Wie man auf den Bildern sieht, bevorzuge ich statt Butter Margarine, die auf Pflanzenfetten und Joghurt basiert. Da ich schon seit Jahrzehnten fast ausschließlich Margarine und nicht Butter verwende, kommt mich das nicht hart an. Und diese hier ist nicht nur schmackhaft sondern auch gesund.

margarine

Meine bevorzugte Margarine

Noch ein Wort zu den „serving sizes“ und Nährwertangaben: es werden zwar viele wichtige Angaben gemacht, aber die Maßeinheit „serving size“ variiert je nach Produkt, und das macht es einem daher gar nicht einfach bis unmöglich, korrekt und genau zu vergleichen, weil es eben keine einheitliche Bezugsgröße gibt wie in Deutschland, wo alle Angaben auf 100 gr bezogen sind. Ich frage mich, warum man hier noch nicht auf eine einheitliche Bezugsgröße gekommen ist. Aber in einem Land, in dem man das metrische System nicht benutzt, sondern in ounces und fluid ounces misst und in dem ein Pfund zu allem Überfluss nicht 500 sondern nur 453 Gramm hat, ist das wohl nicht verwunderlich. [Zu den Maßeinheiten muss ich auch noch unbedingt einmal einen Artikel schreiben.]

Apropos „in ‚unseren‘ Supermärkten“: Was heißt da „unseren“, so frage ich mich gerade. Was meine ich mit diesem Pronomen, das mir so ganz einfach in die Feder [Oder heißt das heutzutage, wenn man auf der Computertastatur herumhackt, ins RAM?] geflossen ist? Meine ich damit die Supermärkte zu denen wir, Mary und ich, üblicherweise zum Einkaufen fahren? Oder bin ich schon soweit amerikanisiert, dass ich damit alle amerikanischen Supermärkte meine? Das wäre mal wieder etwas zum Thema „Language and Thought“ und Sapir/Whorf.

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28 Gedanken zu „Die Amerikaner können kein Brot

  1. Hallo Pit,

    beide Brote sehen sehr lecker aus und würde ich gerne probieren. Mir würde bei dem von dir beschriebenen Texas-üblichen Brot auf die Dauer auch gewaltig was fehlen.

    Nun, das beste Brot gibts natürlich in der Schweiz :P. Aber Scherz beiseite. Brot ist natürlich auch eine Frage des Geschmacks. Ich mag immer mal wieder gerne die Hofpfister Sauerteigbrote aus Deutschland. Aber mein Mann mag kein säuerliches Brot und liebt daher das Schweizer Brot. Das hat ihm in Deutschland sehr gefehlt.

    Das Schweizer Brot ist oft auch wirklich sehr sehr lecker, jedenfalls solange es frisch ist. Wenn es nicht mehr ganz frisch ist, verwende ich hier auch sehr häufig den Toaster. Natürlich kann man auch hier minderwertiges Brot mit seltsamen Teigmischungen und allerlei Zutaten kaufen, die im Bauch einfach weh tun. Daher schau ich inzwischen, wo ich Brot kaufe und im Zweifel darf es etwas mehr kosten zugunsten der Qualität und des Geschmacks, vielleicht auch noch am zweiten Tag.

    Liebe Grüße nach Texas
    Marion

    • Hallo Marion,
      ich stimme Dir zu: für ein gutes Brot geben wir auch gerne etwas mehr aus. Leider kommt aber dazu, dass wir dafür nach San Antonio fahren müssen: immerhin 55 Meilen für eine Strecke. Daher kaufen wir dann meistens etwas mehr und frieren es ein, obwohl das nicht ganz das Ideale ist. Aber bei der hohen Luftfeuchtigkeit hier verschimmelt es sonst viel zu schnell.
      Liebe Grüße ins Land des besten Brots 😉
      Pit

      • Hallo Pit,

        das ist natürlich schon ein Aufwand, um an gutes Brot zu kommen. Einfrieren ist wohl nicht das gleiche, aber beim Auftauen kurz im Ofen aufbacken sollte es knusprig und frisch schmeckend machen.

        Hohe Luftfeuchtigkeit lässt natürlich den Toaster um so mehr sinnvoll erscheinen, um kein lappiges Brot zu haben.

        Liebe Grüße
        Marion

  2. Da bin ich nun überrascht, dass sich diesbezüglich doch schon einiges geändert hat, seit wir da waren. Ist ja nicht schlecht, wurde ich sagen. Doch wie ich sehe, sind auch diese Brote vorgeschnitten. 🙂 Aber das gibts ja bei uns auch immer öfter.
    LG Gabi

    • Hallo Gabi,
      ja, wie soll ich es sagen: allmählich lernen die Anerikaner auch das Brotbacken. 😉 Normalerweise übrigens ist das Brot bei Whole Foods nicht vorgeschnitten. Wir lassen es schneiden, weil wir zu faul dazu sind. 😉
      Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
      Pit

  3. Lieber Pit,
    zum Glück gibt’s Whole Foods, sage ich nur. einer der schönsten Ladenketten überhaupt mit einem guten Image (und herbe Preise). Dort habe ich ebenfalls die Erfahrung gemacht, man kann in Amerika abwechslungsreiches, leckeres Brot bekommen. In England bessert sich es auch langsam. Du kannst dich auf das Eigenbrötlerbrot freuen! 🙂
    Sei lieb gegrüßt, du und Mary
    von Klausbernd und mir.

    Wir aren gerade draußen, haben einen langen Spaziergang in arktischer Kälte hinter uns, brrr. Siri und Selma haben absolutes Flugverbot heute, sie mussten zu Hause bleiben, knatsch, knatsch… Der Winter ist zurückgekehrt, es hat geschneit und der Wind riss uns die Mützen von den Köpfen. Das ist allerdings typisch für diese Gegend, das launenhafte Wetter und der Winter der nur zögerlich loslässt.
    Jetzt genieße ich a nice cup of tea und werde gleich mit Selma Knipsifeedie Photobeute begutachten.

    Byeeee! Mit Feenhauch für euch. #############

    • Hallo,
      und danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast, hier in meinem Blog vorbeizuschauen und auch einen Kommentar zu hinterlassen. 🙂
      Stimmt, aber ganz ohne ist das Leben auch nicht so doll. 😉
      Liebe Grüße aus dem südlichen Texas ins kalte Hamburg,
      Pit

    • Freut mich, wenn ich hier aus dem südlichen Texas Dir in Deutschland den Mund wässerig machen konnte! 😉
      Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast, hier in meinem Blog vorbeizuschauen und einen Kommentar zu schreiben.
      Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
      Pit

  4. Hi, lieber Pit,
    durch Amerika bin ich aufs Brotbacken gekommen. Als Zwanzigjähriger trampte ich neun Monate lang durch die USA. Da ich damals kein Geld hatte, fuhr ich von Landkommune zu Landkommune. Dort nahm man automatisch an, dass ich als Deutscher Brot backen könnte und ich wurde als Bäcker eingeteilt. Well, da gab`s zum Glück Knowhow-Bücher und schnell hatte ich das Brotbacken erlernt und Freude dran gefunden. Was für ein Glück, denn als Bäcker war ich in jeder Gruppe willkommen.
    Ganz liebe Grüße von
    Dina und mir und natürlich von unseren munteren Buchfeen Siri & Selma
    Hier scheint gerade die Sonne und es sind 13 Grad C

  5. Oh je, jetzt breitet sich diese neudeutsche (gab es in meiner Jugend bei keinem Bäcker der Gegend) Unsitte, Körner ins Brot zu streuen, schon in den USA aus! Ich essen zum Frühstück immer Toastbrot, natürlich ohne Körner 😉

    • Hallo Martin,
      also ich kenne das aus meiner Jugend auch nur bei Schwarzbrot. Da waren ganze Körner drin und deswegen hieß es auch Vollkornbrot. Heute versteht men unter diesem begriff ja wohl etwas Anderes. Aber das „Black Forest Rye“ hier schmeckt richtig gut und ist schön bissfest. Ansonsten. gebe ich gerne zu, brauchen keine ganzen Körner drin zu sein. Wie z.B. in dem „Prussian Rye“. Und auch das Dinkelbrot, das wir bei Whole Foods in Austin mal gekauft haben, ist „normal“ – und sehr schmackhaft. Toasten – diese Eigenart habe ich von Mary übernommen – tun wir unser Brot, egal welche Sorte, sehr häufig.
      Liebe Grüße aus dem südlichen Texas, wo es gleich wahrscheinlich Cerealien zum Frühstück gibt – noch bin ich beim Kaffee – und einen schönen Sonntagabend,
      Pit

  6. Sehr interessanter Bericht danke, vor Kurzem habe ich erst irgendwo gelesen dass es in Amerika kein tolles Brot gäbe, aber deine beiden Sorten sehen schon ganz lecker aus.

    Aber als Österreicherin sag ich sowieso das beste Brot gibt’s hier bei uns oder selbstgebacken.

    • Hi Emma,
      Thanks for taking your time to visit my blog and leaving a comment. 🙂 I’ve just checked: the link seems to work – at least for me. I don’t know why you had problems. Maybe because I was just editing the article when you tried to access it? Would you mind ginving the link a try again and then let me knwo? I’d very much appreciate your help. If the link still doesn’t work, try this http://tinyurl.com/c7msekw I hope you needn’t try to have recourse to your knowledge of German that way. 😉
      Best regards from southern Texas,
      Pit

Lasst mal von Euch hören/lesen! Würde mich sehr freuen!

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