San Antonio Scorpions 4 – Tampa Bay Rowdies 0

Das war das Ergebnis des Fußballspiels, das wir gestern im Heroes Stadium in San Antonio gesehen haben. Eine ganz anderes Spiel und eine ganz andere Mannschaft als vor 14 Tagen, als die Scorpions 2:1 gegen die Puerto Rico Islanders verloren haben.

Nicht, dass es nicht auch bei diesem Spiel durchaus etwas zu kritisieren gäbe [die Fehlpassquote z.B. ist immer noch deutlich zu hoch, die Technik – Ballbehandlung etc. – ist verbesserungswürdig, Laufwege sind nicht gut genug abgestimmt und das Auge für den besser positionierten Mitspieler fehlt zu häufig, um nur ein paar Punkte zu nennen], aber insgesamt sah die Mannschaft, und das nicht nur des zu keiner Zeit gefährdeten Sieges wegen, ganz erheblich besser aus als noch vor 14 Tagen. Nach einer kurzen, knapp 10-minütigen Anfangsphase, in der es so aussah, als ob die Rowdies durch Forechecking und Pressing noch weit in San Antonios Hälfte des Spielfeldes den Scorpions Paroli bieten könnten, kamen die Letzteren immer besser ins Spiel. Es lag möglicherweise unter Anderem daran, dass der Niederländer Hans Denissen, dessen Einwechslung in der 60. Minute im Spiel vor 14 Tagen schon ganz entscheidende Impulse brachte, dieses Mal von Beginn an zum Einsatz kam. An sich ist Dennissen ein gelernter Stürmer, und das war auch seine Hauptaufgabe gestern, aber im Verlauf des Spiels fand man ihn in zunehmendem Maße auch im Mittelfeld als Antreiber und Spielgestalter mit klugen Pässen, sowie später in der Abwehr.

Wie schon gesagt, nach weniger als 10 Minuten übernahmen die Scorpions mehr und mehr die Kontrolle und kamen über zwei bltzschnelle Angriffe in der 8. und 17. Minute, ausgehend von präzisen Steilpässen in die Tiefe, zu ihrer schon zu diesem Zeitpunkt verdienten 2:0 Führung. Ein Elfmeter, verursacht durch den Torwart der Rowdies, Jeff Attinella, der – zugegeben unglücklich – Pablo Campos im Strafraum von den Beinen holte, brachte dann schon in der 28. Minute die 3:0 Führung für die San Antonio Scorpions. Von diesen schnellen Toren sollten sich die Tampa Bay Rowdies dann, obwohl San Antonio einen weiteren Elfer kläglich vergab, nicht mehr erholen.

Zu Beginn der zweiten Hälfte machten sie zwar für etwa 15 Minuten deutlich mehr Druck, kamen aber, insbesondere weil die Verteidigung der Scorpions gut und sicher stand und die Mannschaft auch immer wieder gefährliche Konter vortrug, nicht zu einem messbaren Erfolg. Nach dieser Drangphase der Rowdies gestaltete sich das Spiel wieder ausgeglichener, mit einem leichten Übergewicht der Scorpions, die sich keinesfalls auf ihrer 3:0 Führung ausruhten, sondern ständig auf Verbesserung des Ergebnisses bedacht waren und ein hohes Tempo gingen, was sich dann schließlich in der 1. Minute der Nachspielzeit durch ein weiteres Tor zum 4:0 Endstand auszahlte.

Bleibt noch zu bemerken, dass die „Rowdies“ ihrem Namen alle Ehre machten und sich durch absolut unnötige Fouls insgesamt 4 gelbe Karten einhandelten. In der zweiten Halbzeit hätte es meiner Meinung nach sogar eine rote statt einer gelben Karte geben müssen, als bei ruhendem Ball – das Spiel war für die Ausführung eines Freistoßes unterbrochen – ein Tampa Bay Spieler weitab vom Ball einen Scorpion mit einem kräftigen Bodycheck oder mit einem Tritt – ich habe es nicht genau sehen können – zu Boden streckte. Leider fand das im Rücken des Schiedsrichters – er hatte natürlich seine Augen auf den Ball und die Spieler, die den Freistoß vorbereiteten, gerichtet – statt, sodass sich eine längere Befragung seiner Assistenten ergab, was dann schließlich mit einer gelben Karte gegen den Tampa Bay Spieler [und übrigens auch zu einer gelben Karte für den Scorpions Torwart, wegen Meckerns] führte. Wie gesagt, meiner Meinung nach wäre da Rot die korrekte Karte gewesen, aber möglicherweise wollte der Schiri, weil er es nicht selbst gesehen hatte, da nicht so hart durchgreifen. Das war übrigens eine Situation, in der das Spiel ihm kurzzeitig aus der Hand zu gleiten drohte, bei Rudelbildung und erregten Diskussionen. Mehrere Spieler auf beiden Seiten mussten von Mitspielern und Betreuern zurückgehalten werden. Gott sei Dank beruhigte sich die Situation aber schnell wieder, nachdem das Speil einmal wieder in Gang gekommen war, und wir konnten ein schönes restliches Fußballspiel miterleben.

Mit diesem Spiel liegen die San Antonio Scorpions nun in der NASL so weit in Führung, dass ihnen der erste Platz zum Abschluss der Saison kaum noch zu nehmen sein dürfte. Sie müssen dazu lediglich noch ein Spiel von 5 noch ausstehenden gewinnen. Ein ganz beachtlicher Erfolg für ein Team, das erst von knapp zwei Jahren überhaupt gegründet wurde und erst seit diesem Jahr in der NASL spielt.

Dazu noch: was ich am Spielsystem hier nun aber nicht verstehe, ist, dass es nach Ablauf der regulären Saison noch Playoffs gibt. Die beiden führenden Teams sind dabei automatisch für das Semifinale der Playoffs qualifiziert, während die anderen beiden Teams für das Semifinale in Spielen der nächsten vier Mannschaften in der Tabelle gegeneinander ermittelt werden. Das könnte dann doch bedeuten, zumindest theoretisch, dass das sechstbeste Team der regulären Saison die Playoffs gewinnt. Seltsam! Nicht, dass ich automatisch Alles, was aus Deutschland kommt, für besser halte, aber ein System wie in der Bundesliga, dass eben der Gewinner der regulären Saison einfach der Meister ist, ist doch besser. Und ich denke auch, dass es insgesamt dem Fußball hierzulande gar nicht schlecht anstehen würde, wenn die beiden Spitzenmannschaften [oder auch nur die führende aus der regulären Saison] der zweiten Liga automatisch in die erste Liga aussteigen würden. Und dann eben eine oder zwei Mannschaften aus der ersten absteigen. Aber das sieht das System nicht vor: man wird in die erste Liga „eingeladen“. Was auch der Verbreitung des Fußballs entgegen steht, ist m.E. die tatsache, dass es zwei konkurrierende Ligen gibt, soweit ich weiß, die MLS/NASL auf der einen und die USL [United Soccer League] auf der anderen. Das zersplittert doch die Kräfte.

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