Hitchcock’s „Das Fenster zum Hof“ im Bijou

Gestern Abend war, wie jeden Donnerstagabend um 19:00 Uhr, eine Vorstellung mit freiem Einlass im Bijou-Kino in San Antonio. Im August haben sie Hitchcock-Filme, und gestern war „Das Fenster zum Hof“ dran. Wir wollten die Gelegenheit mal nutzen und sind auch hin, und es hat sich gelohnt – finden wir.

Da Bijou ist ein kleines Kino, das vorwiegend Filme unabhängiger Produktionen zeigt und nicht die großen Blockbuster, und nebenbei eben auch jeden Donnerstag ausgewählte Filme, meistens Klassiker, mit freiem Zugang. Dafür reservieren sie zwei der insgesamt 6 Räumen [ich schätze mal, so zwischen 75 und 150 Sitzplätze pro Raum], zusammen für maximal 200 Personen, nach dem Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Wir hatten schon mit einigem Andrang gerechnet und waren vorsichtshalber schon mehr als eoine halbe Stunde vor der Kartenausgabe [die war um 18:00 Uhr] da, und das sollte sich als weise Voraussicht erweisen, denn vor uns standen schon ca. 100 Personen in der Schlange. Wir haben uns die Wartezeit dann geteilt, und es war kein Problem: einer stand in  der Schlange, während der Andere sich hingesetzt hat. In der „Wonderland Mall“ [genau genommen heißt dieses Einkaufszentrum mit vollem Namen etwas hochtrabend, finde ich, „Wonderland of the Americas„], in der das Kino zuhause ist, gibt es jede Menge Sitzgelegenheiten, u.A. auch, weil dort ein paar kleine Selbstbedienungsrestaurants sind, die alle keine eigenen Räumlichkeiten haben, sondern eben auf die Tische und Stühle in der Mall angewiesen sind. Aber da kann man dann eben auch sitzen, ohne Kunde zu sein. Wir hatten uns übrigens, obwohl man im Bijou auch gut essen kann, Subway Sandwiches mitgebracht, weil wir damit unsere Kalorienaufnahme besser steuern können! Die Zeit in der Schlange erwies sich dann als kürzer als erwartet. Da eine Bezahlung ja entfiel, ging es einfach zügig an einem Mann vorbei, der die Eintrittskarten verteilte. Um etwa 1 Minute vor 6 setzte sich die Schlange in Bewegiung, und um 5 Minuten nach sechs gingen wir schon ins Kino! Natürlich gingen alle sofort hinein, um gute Plätze zu ergattern. Wir saßen zwar relativ weit außen, dafür aber auch relativ weit hinten; gar keine so schlechten Plätze. Mary hat dann etwas gelesen, und ich habe ein kleines Nickerchen gemacht.  ;)  Wir hätten natürlich auch essen können, aber wie gesagt, wir hatten ja vorher mitgebrachte Sandwiches gegessen. Möglicherweise werden wir aber auch einmal da essen. Die Speisekarte sieht, auch wenn es keine großen Mahlzeiten mit mehreren Gängen sind, gar nicht so übel aus. Mit dem Essen haben sie gestern – und ich glaube, das kann man für diese kostenlosen Vorstellungen wohl verallgemeinern, ein ganz gutes Geschäft gemacht: die 200 freien Plätze waren alle ohne Ausnahme besetzt [vor Beginn des Films kam der Manager mit ein paar erläuternden Bemerkungen und sagte u.A., dass man sogar etwa 100 Personen habe abweisen müssen] und wirklich viele, ich denke einmal zwischen 50 und 75% der Zuschauer, haben da auch gegessen. So hebt sich das dann wohl wieder auf: was sie durch den freien Eintritt verlieren, bekommen sie durch das Essen wieder herein.

Zum Film selber: keiner von uns beiden hatte „Das Fenster zum Hof“ schon einmal gesehen, und es hat uns gut gefallen. Ich würde mal sagen, allzuviel Spannung war nicht drin, aber es war schon interessant, zuzusehen, wie James Stewart als L.B. Jeffries zunächst nur für sich alleine, dann aber auch Grace Kelly als seine Freundin Lisa Fremont und Thelma Ritter als die Krankenpflegerin Stella immer sicherer werden, dass sie in dem Handelsvertreter Lars Thorwald – gespielt von Raymond Burr – in einem Zimmer auf der anderen Seite des Hofes einen Mörder beobachten, und wie sie ihn schließlich überführen und stellen. Was mich aber außer diesem Hauptplot an dem Film auch interessiert und fasziniert hat, war die Darstellung der „Hinterhofgesellschaft“ in einer Großstadt der 50er Jahre in den USA: es hatte durchaus etwas Sozialkritik und Sittengemälde und erinnerte mich etwas – wenn es auch natürlich längst nicht so viel Armut kritisch präsentierte – an Zillesches Berliner Milieu. Der Film war so meiner Meinung nach facettenreich und vielschichtig – wesentlich vielschichtiger als ein morderner Krimi normalerweise ist. Allerdings war er dadurch in der Erzählweise auch etwas behäbiger. „Action“ im heutigen Sinne gab es so gut wie gar keine, aber das tut dem Film meiner Meinung nach nun absolut keinen Abbrich.

Für uns war es jedenfalls ein gelungener Abend, und wir werden wohl noch öfter donnerstagsabends in Bijou gehen. Mal sehen: nächsten Donnerstag wird „North by Northwest“ gezeigt, am darauffolgenden Donnerstag werden wir nicht hier, sondern in Port Aransas sein, und am letzten Donnerstag in diesem Monat wird „Psycho“ gezeigt.

4 Gedanken zu „Hitchcock’s „Das Fenster zum Hof“ im Bijou

  1. Keine schlechte Taktik, die ja wohl aufgeht. Warum sollte man sie denn dann nicht auch nützen? Den Film kenne ich und ich finde ebenfalls, dass er gut ist. Dass er mit heutigen „actionreichen“ Filmen nichts zu tun hat, ist ja klar, denn er stammt ja aus einer anderen Zeit. Der Film von Hitchcock und auch die anderen sind nun mal Klassiker, die man sich immer wieder anschauen kann und die in diesem Sinne, nie wirklich „unmodern“ werden.

    Diese Preisnachlässe, wie nimm 2 oder 3 und dann ist es billiger, gibt es bei uns schon seit einigen Jahren in den Supermärkten und diese Art der „Preisaktionen“ werden immer mehr. Ich nutze die natürlich auch aus, so es sich auszahlt. Also eher bei Toilettartikel, Kosmetika, Putzmittel, lange haltbaren Lebensmitteln usw. Bei Lebensmitteln, die schnell verderben – wenn man z.B. zwei oder drei Tassen oder Packungen von Tomaten oder Obstsorten nehmen muss, damit man sie billiger bekommt – da überlege ich aber schon, ob sich das auszahlt und ob die Menge überhaupt aufgegessen wird. Denn wenn sie verderben und man sie wegwerfen muss, dann ist es erstens schade darum und im Endeffekt ja wieder teurer.

    lg Gabi

  2. Ja,
    das können Die Amis gut, finde ich. Etwas günstig bis kostenlos anbieten und trotzdem ein gutes Geschäft machen. In Las Vegas war ich mehr als verblüfft, wie kostengünstig man in den Edelhotels übernachten und essen kann, die Betreiber holen dort das Geld in der Spielhallen wieder ein – und bei den Shows, die richtig viel Geld kosten. Inklusive 2 Drinks:-) Das etwas inkludiert ist, dass man das Gefühl hat, etwas quasi für umsonst zu bekommen, ist ein grßer Seller.
    Die Engländer haben diese Geschäftstaktik vollkommen übernommen, es wird immer mehr. Bei Lebensmitteleinkauf irritiert es mehr als es Freude macht, finde ich jedenfalls.
    Im Buchgeschäft gilt schon seit Jahren „buy one, get the second for 50%“ or „buy one, the third ist free“. Die Kosmetikbranche macht es verlockender. Buy 3 items and you get FREE… spend more than…. and get FREE.

    Naja, es ist halt anders als in Deutschland und Skandinavien, diese Andersartigkeit hat ja auch was. Ich gehe nicht gerne Einkaufen, ich empfinde die Malls überwiegend als laute Energiefresser. Jedoch suche ich etwas Bestimmtes, ist es toll, die Auswahl unter einem Dach ist gigantisch.

    Schön, dass Euch der Film gut gefallen hat!

    Schönes Wochenende
    mit lieben Grüßen aus dem Rheinland, ich gehe jetzt arbeiten
    Dina

    • Hallo Dina,
      stimmt auffallend! Wir beobachten es immer wieder auch im Fernsehen. Da wird dann ein Artikel angeboten, sagen wir mal zu $19,99. Wenn man aber relativ schnell [es ist natürlich ein zeitlich begrenztes Sonderangebot!] anruft, bekommt man ihn z.B. zu $12,99. Und dann setzen sie noch einen drauf mit, „Wenn Sie in den den nächsten 30 Minuten anrufen, schicken wir Ihnen für diesen Preis 2!“ Sorry, aber das ist mich die reine Volksver…..dummung. Als ob die nicht auch damit noch ein gutes Geschäft machen würden! Die ursprünglichen $19,99 sind dann doch nur ein absolut unrealistischer Preis, den sie niemals in Wirklichkeit fordern würden. Also nur Kundenfang. Und auch das „buy one get one free“ oder die vielen Coupons in der zeitung, die einem einen Rabatt geben: als ob das nicht längst im Verkaufspreis einkalkuliert wäre.Wir nutzen die Coupons natürlich auch, lassen uns dadurch aber nicht beeinflussen: wir wissen, was wir wollen bzw. brauchen, und schauen dann, ob wir dafür Coupons haben.
      Zu den Malls: wir gehen relativ selten in eine. Wenn, dann weil nun mal gerade das Geschäft, in dem wir einkaufen wollen, zufälligerweise in einer solchen liegt. Dass wir einfach „durchbummeln“ kommt so gut wie gar nicht vor. Und was „Energiefresser“ angeht: ich bekomme jedesmal einen Schock, wie kalt es in vielen dieser Malls ist. Da kann ich mich ja gleich in einen Kühlschrank setzen. 😉
      Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
      Pit

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