Von den Vorteilen, 65 zu sein

Nachdem ich jetzt 65 bin, kann ich, auf Antrag, auch hier krankenversichert werden. Ich hatte ganz per Zufall [im Newsletter von „The American Dream“ – den Leuten, die mir beim Besucher-Visum behilflich waren und bei denen die Green Card Lotterie nicht geklappt hat] erfahren, dass ich möglicherweise für Medicare – so heißt das Programm für die „Alten“ hier – berechtigt bin. Und tatsächlich, nachdem ich nun 65 geworden und als Permanent Resident mit einer Amerikanerin [die selber Sozialbeiträge abgeführt hat und somit anspruchsberechtigt ist] verheiratet bin, habe ich Anspruch auf Medicare hier. Da ich selber allerdings noch nicht aus eigenen Rechten [da muss ich erst 5 Jahre Permanent Resident oder amerikanischer Staatsbürger sein] den Anspruch habe, muss ich monatlich $99 zahlen. Nicht dass ich Medicare wirklich brauche, weil ich ja über Beihilfe und DeBeKa [meine private Krankenversicherung] gut versichert bin, denn beide ersetzen auch die Kosten im Ausland, welbst wenn man dauerhaft im Ausland lebt, aber es gibt mir zusätzliche Sicherheit bei Krankenhauskosten und bei Krankentransporten. Krankenhaus ist hier ja so extrem teuer [wie ich aus Mary’s Behandlungen weiß: sie hatte vor einigen Jahren eine ambulante arthroskopische OP am linken Knöchel, und da waren „mal eben“ $19.000 fällig!], dass da Beihilfe und DebeKa wohl nur einen geringen Teil ersetzen würden, da sie nach deutschen (Grund)sätzen erstatten. Und Krankentransporte im Ausland [die hier ganz leicht per Hubschrauber erfolgen und dann eben auch sehr teuer sind] zahlt die Beihilfe überhaupt nicht. Die Sicherheit, da versorgt zu sein, ist mir diesen monatlichen Beitrag wert. Mittlerweile habe icauch meine Medicare-Ausweiskarte bekommen und den ersten Beitrag gelöhnt. Was ich jetzt noch ermitteln will, ist, ob ich nicht aus dem kostenpflichtigen Teil [Medicare B: Kosten für Arzt, Medikamente und Krankentransporte] aussteigen kann und nur den Teil für Krankenhauskosten behalte – denn der ist nämlich kostenfrei. Arztkosten und Medikamente kriege ich ja auch problemlos über Beihilfe und DebeKa erstattet, und für Krankentransporte – jedenfalls im südlichen Texas – könnten Mary und ich uns zusammen separat versichern, zu erheblich geringeren Kosten [$38/Jahr] als die 99 Dollar/Monat, die ich alleine an Medicare abführen müsste. Müssen wir noch mal überlegen. Aber mit der Tatsache, dass Medicare nötigenfalls die Krankenhauskosten übernimmt, ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, denn das kann einen hier in die Pleite treiben – jedenfalls, wenn man nicht in einer Krankenkasse ist. Es gibt hier nämlich keine ärztliche Gebührenordnung oder so etwas, das dann auch die Krankenhauskosten regelt, sondern die Versicherungen handeln mit den Ärzten bzw. Krankenhäusern die Kosten aus – und drücken sie ganz erheblich. Wenn man aber selber zahlt, geht das nicht, und dann nehmen die Krankenhäuser es „von Lebendigen“, wie man so sagt. Als Beispiel: Unser Freund Mike Saxon hat eine Magenverkleinerung machen lassen. Das Krankenhaus wollte dafür – sofern er ohne Krankenversicherung Alles selber zahlen würde – sage und schreibe 99000 [kein Tippfehler!] Dollar haben. Die Versicherung hat aber nur $9900 gezahlt – und er brauchte auch nichts zuzuzahlen. Das verstehe wer will, aber ich nicht. Aber wie dem auch sei: ich bin ja jetzt abgesichert. Gott sei Dank!

Nachtrag: die gesamte Antragstellerei und Bearbeitung ging übrigens extrem schnell – in knapp drei Wochen war Alles gelaufen. Das steht in krassem Gegensatz zur Verlängerung meiner Green Card, die sich nuch schon über 6 Monate hinzieht, und bei der noch kein Ende abzusehen ist. Gerade vorhin habe ich mal wieder gecheckt: die durchschnittliche Bearbeitungsdauer für solche Anträge ist beim Vermont Center [und das ist für mich zuständig] mittlerweile auf 8,1 Monate angestiegen. Als ich meinen Antrag eingereicht habe, waren’s gerade mal 7,2.

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4 Gedanken zu „Von den Vorteilen, 65 zu sein

  1. Toll, dass Du jetzt diese Krankenversicherung hast. Kann mir vorstellen, dass man da beruhigter ist. Und vielleicht lässt es sich auch mit dem günstigeren Tarif noch klären. 99,- Dollar im Monat sind ja auch nicht gerade wenig. Aber allemal besser, als Spitalkosten zahlen zu müssen.

    Die Preispolitik bei dem Ganzen ist schon ziemlich kompliziert. Da muss man erst mal durchblicken. 🙂

    Das mit den langen Wartezeiten bei der Green Card hattest Du ja schon mal erzählt. Wie lange ist die dann wieder gültig? Und wird es dann von der Bewilligung her berechnet oder vom Zeitpunkt der Antragstellung aus? Wenn das so wäre, dann bliebe ja nur ein sehr kleiner Zeitraum, in der sie gültig ist.

    Ach ja. Falls Du vielleicht vor kurzem Geburtstag hattest, möchte ich gerne nachträglich gratulieren.

    LG Gabi

    • Nochmals ich. Hatte nämlich vergessen ein Hakchen bei „benachrichtigen“ zu setzen. Sonst weiß ich ja nicht, falls Du eine Antwort schreibst. Und – wie schon mal erwähnt , keinen Stress deswegen. Nur was leicht geht.
      LG Gabi

    • Hallo Gabi,
      danke für’s Vorbeischauen und Deinen Kommentar. Und auch für die Glückwünsche zu meinem Geburtstag.
      Was die Preispolitik im Gesundheitswesen hier angeht: da blicke ich immer noch nicht durch. Meine Frau – obwohl sie ja Amerikanerin ist – übrigens auch nicht! 😉
      Zur Greencard: wenn man mir dann – wann auch immer – die Verlängerung bewilligt, wird das für 10 Jahre sein. Das ist die normale Dauer. Nur wenn man, wie ich, die Greencard durch Heirat erwirbt und der Antrag auf die Greencard innerhalb von zwei jahren nach der Heirat gestellt wird, bekommt man sie erst einmal temporär für zwei Jahre. Man will damit – und das kann ich verstehen – Scheinheiraten nur zum Erwerb der Greencard verhindern. Ob sie dann aber ab Ablauf der alten oder ab Ausstellungsdatum der neuen gilt, weiß ich nicht. Werde ich ja sehen. Aber das würde, bei 10 Jahren Laufzeit, keine so großen Unterschied machen.
      Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
      Pit

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