Grenzerfahrungen – eine Anekdote

Es ist zwar schon eine ganze Weile her und hat sich ereignet, bevor ich dieses Blog hier angefangen habe, aber das „Grenzerlebnis“ muss ich doch noch erzählen.

Auf unserer Hochzeitsreise waren Mary und ich in West Texas, in „Big Bend Country„, sozusagen im „Zollgrenzbezirk“ und an der Grenze zu Mexiko wollen die Amerikaner natürlich illegale Einwanderer draußen halten. Und so gibt es da auf jeder Straße, die von einem (möglichen) Grenzübergang aus in die USA führt, einen Kontrollpunkt der „Border Patrol“ – übrigens nur in Richtung in die USA. Schon auf unserer Fahrt nach Fort Davis hatten wir kurz hinter Del Rio einen solchen Kontrollpunkt passieren müssen, und da ging es problemlos: ich habe meinen Pass vorgezeigt, und ein paar Fragen beantwortet, und das war’s. Mary brauchte übrigens, nachdem sie gesagt hatte, sie sei Amerikanerin, gar nichts zu tun – noch nicht einmal sich ausweisen! Eigentlich seltsam, denn welcher Illegale würde nicht zunächst einmal behaupten, er sei amerikanischer Staatsbürger!
Ja, und dann, an einem anderen Tag, als wir in den Big Bend National Park [der ist eben an der Grenze, am Rio Grande] wollten, habe ich meinen Pass in unserer Unterkunft vergessen. Als wir den Kontrollpunkt sahen – schon auf der Fahrt zum Park – fiel es mir natürlich ein. Aber zum Einen wollten wir nicht mehr als eine Stunde zurückfahren, und zum Anderen auch nicht auffällig werden, indem wir in Sichtweite der Kontrollstation einfach umdrehen und zurückfahren. Hätte man uns dabei beobachtet, wären sie bestimmt hinter uns hergefahren und hätten uns angehalten. Also haben wir uns darauf verlassen, dass ich mich ja mit meinem Führerschein [ist ja ein amtlicher Ausweis mit Foto] ausweisen könnte.
Und dann kam, was kommen musste, auf der Rückfahrt. Wir wurden natürlich – wie wir erwartet hatten – angehalten. Und ich habe gesagt, dass ich meinen Pass im Hotel vergessen hatte und meinen Führerschein vorgezeigt. Das wurde zunächst auch akzeptiert, und der Beamte ging mit meinem Führerschein ins Büro, um in den Datenbanken zu überprüfen, ob ich legal in den USA war. Aber in diesem hochtechnisierten Land muss da etwas schief gegangen sein, denn sie konnten mich nicht finden. Jedenfalls nicht meine am nächsten zurückliegende Einreise im April – und die Kontrolle war im September, also ganze 5 Monate nach meiner Einreise und selbst da war ich wohl nocht nicht „im System“ – kein Wunder, dass sie hier mit Illegalen und Terroristen so ihre Probleme haben. Sie fanden nur frühere Einreisen, die letzte im Dezember 2008. Und das war ja zum Zeitpunkt der Kontrolle mehr als 6 Monate her und demnach wäre ich illegal im Lande gewesen. Ich wurde dann ins Büro gebeten, für Fingerabdrücke und Foto, damit sie danach in ihrer Datenbank suchen konnten. Die Prozedur hat etwas gedauert, weil der Beamte mit der Technik Probleme hatte. Aber auch mit den Fingerabdrücken konnten sie mich im System nicht finden. Sie haben mich dann gefragt, wo ich zuletzt eingereist bin. Und das war Houston. So haben sie dann da beim Zoll oder wo auch immer angerufen und denen war ich tatsächlich bekannt. Und damit hatten sie die gewünschte Zusicherung, dass ich legal im Land war. Und nach einer Ermahnung, in Zukunft immer meinen Pass dabei zu haben, durfte ich dann wieder meines Weges ziehen.

Das Ganze hat knapp eine Stunde gedauert und Mary im Auto ist ganz schön nervös geworden, ob sie mich nun verhaften oder möglicherweise sogar misshandeln. Aber die Beamten waren ausgesprochen höflich und freundlich. Nur Mary konnte das ja nicht wissen. Sie hat schon überlegt, wen sie zur Hilfe anrufen sollte, ihre Cousine Jo Ann, die in Denver bei der Polizei ist, oder unsere Freindin Stella hier, die Richterin ist. Na ja, war ja zum Glück nicht notwendig. Aber jetzt habe ich ja meine Green Card und kann somit nachweisen, dass ich legal im Lande bin. Trotzdem sollte ich – auf jeden Fall, wenn es in Grenzgebiete geht – auch immer noch zusätzlich meinen Reisepass dabei haben.

6 Gedanken zu „Grenzerfahrungen – eine Anekdote

  1. Hallo Pit
    bezüglich der Einreise habe ich auch so meine Erfahrungen gemacht. Ich bin ja meistens in Miami/Fl gelandet, da ich dort Verwandte habe und viele Besuche gemacht habe.
    In Miami landen neben den inländischen und den eurpäischen Flügen mehr als die Hälfte aller Flieger aus Lateinamerika. Diese Leute werden sehr genau unter die Lupe genommen von den Imigration Officers und oft war ich Augenzeuge, das die Leute abgewiesen wurden, also umkehren mussten. Was ich allerdings immer festgestellt habe: Die Offiziellen sind immer korrekt, sowohl im Benehmen als auch im Ton. Das habe ich ebenfalls festgestellt, als ich einmal in Miami von der Polizei gestoppt wurde und ein Ticket bekam. Alles korrekt, höflich aber bestimmt und die Beamten waren allesamt echte Respektpersonen.
    Gruß
    Axel

    • Hallo Axel,
      dass die Beamtem hier ausgesprochen freundlich sind, habe ich auch feststellen können. Es gilt allerdings auch hier: wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Deswegen bin ich auch immer zuvorkommend und höflich den Beamten gegenüber. Viele versuchen übrigens auch ein wenig in Deutsch zu radebrechen, weil sie häufig ja in Deutschland stationiert waren.
      Apropos von der Polizei gestoppt werden: über mein erstes – und bisher einziges – Knöllchen kannst Du ja mal hier nachlesen [https://pitspersoenlichesblog.wordpress.com/2011/01/25/mein-erstes-knollchen/].
      Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
      Pit

  2. Das sind Erfahrungen, über die man dann im Nachhinein lächeln kann, weil ja alles gut gegangen ist. Aber in dem Moment ist das meist ärgerlich und ungut.
    Wir hatten mal in Ungarn ein ziemlich unangenehmes Erlebnis. Es muss so Ender der 70er bzw. Anfang der 80er gewesen sein. Da gab es ja noch den „eisernen Vorhang“. Doch eigentlich hatte das nichts mit einer Grenze zu tun. Mein Mann und ich und ein befreundetes Paar waren in einer ungarischen Stadt (wir hatten dort Bekannte). Wir saßen zu viert im Wagen und kamen an eine Straßenkreuzung. Dort standen in der Mitte zwei Polizisten auf einem Podest und haben – wie nach einer Choreografie – sowas hatten wir noch nicht gesehen – den Verkehr geregelt. Das gefiel und belustigte uns. Unser Freund hatte eine Filmkamera (damals noch Super 8) mit und filmte diese Szene. In Ungarn war es verboten, Polizei- und Militäreinrichtungen zu filmen oder zu fotografieren und was wir nicht wussten, daneben war gleiche eine Polizeistation. Auf einmal trällerte es daneben ganz laut und ein anderer Polizist kam wütend zu unserem Auto gelaufen und deutete uns sehr verärgert, dass wir an den Straßenrand fahren sollen. Unser Freund musste sofort aussteigen und mit in die Polizeistation gehen. Wir drei warteten im Auto und es tat sich wirklich lange Zeit nichts. Sicher eine Stunde lang. Wir hatten absolut kein gutes Gefühl dabei. Und dann wurde auch noch mein Mann mit hineingeholt. Wie wir zwei Frauen uns da im Auto gefühlt haben, kannst Du Dir ja vielleicht vorstellen. Wir hatten keine Ahnung, was da abging. Immer wieder fuhren Autos mit blickdichten Scheiben aus dem Gebäude raus. In unseren wildesten Gedanken wurden unsere Männer irgendwo anders – und wer weiß schon wo – hingebracht. Es dauerte sicher wieder so lange wie vorher, bis die zwei endlich rauskamen.

    Unser Freund wurde natürlich „verhört“, warum er das gefilmt hatte. Natürlich hatte er erklärt, dass wir das mit den Polizisten nicht kannten, dass es bei uns sowas nicht gibt und er es deswegen gefilmt hat. Selbstverständlich gab es dabei auch sprachliche Verständigungsprobleme. Dann dauerte es ewig, bis ein Dolmetscher kam und dann immer wieder Fragen und Erklärungen. Meinen Mann haben sie dann deswegen dazugeholt, damit er die Aussagen bestätigen konnte usw.

    Im Endeffekt wurde unserem Freund nur der Film abgenommen und nach Sichtung und wenn er aus ihrer Sicht in Ordnung gewesen wäre, hätte er ihn nach einiger Zeit in der ungarischen Botschaft in Wien abholen können.

    Er hat ihn sich nie abgeholt und in Ungarn nie wieder gefilmt. 😉
    lg Gabi

  3. Hallo Pit,
    obige Grenzerfahrungen sind mir bekannt – Du hast mir das nach
    der Reise direkt mitgeteilt.
    Der Neubau der Garage ist ja ein ziemlich großes Projekt –
    ist interessant, wie man dort vorgeht.
    Melde mich demnächst per Mail wieder. Liebe Grüße Maria

    • Hallo Maria,
      danke für Deinen Kommentar: hat mich sehr gefreut.
      Was die „Grenzerfahrungen“ angeht: ja, wusste ich, dass Du den Bericht kanntest. Habe ich nämlich aus einer E-Mail an Dich rauskopiert und nur ein bisschen redigiert.
      Das Projekt „Garage“ nimmt tatsächlich ziemliche Ausmaße an. War uns bei der Planung gar nicht bewusst, wie groß die in natura wirklich werden würde. Aber wir wollen auch Nägel mit Köpfen machen, und nicht später einmal noch erweitern müssen.
      Liebe vorweihnachtliche Grüße aus einem mittlerweile auch etwas kühleren [nacht bis an den Gefrierpunkt] Texas,
      Pit

Lasst mal von Euch hören/lesen! Würde mich sehr freuen!

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